Marienburg

Von Danzig aus ist es etwa eine Stunde Fahrt. Erst ziehen Industriegebiete vorüber, dann viel Grün neben der Schnellstraße. Hat man die verlassen, folgen kleine Dörfer, jetzt im Mai außerdem viele blühende Rapsfelder, und dann taucht sie plötzlich am Horizont auf: die mächtige Marienburg, von der aus der Deutsche Orden auch das Land zu erobern versuchte, was wir als nächstes bereisen wollen. Ab dem 13. Jahrhundert erbaut, im Zweiten Weltkrieg teilweise zerstört und später wieder aufgebaut, trohnen die roten Backsteingebäude über dem Fluss Nogat – und laden zur ausgiebigen Besichtigung ein. Die Tour mit Audioguides hat gute drei-vier Stunden gedauert. Langweilig war es aber überhaupt nicht, durch all die Gänge, Höfe und über Zugbrücken zu schlendern, auch, oder gerade weil hinter jeder Tür eine neue Entdeckung lag. Und diese mächtigen alten Holztüren mit ihren komplizierten Öffnungsmechanismen darf man selbst aufmachen – Schlossbesichtigung ganz nach meinem Geschmack!

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Wie überall in Polen, so scheint es, wird auch hier viel gebaut. In der Innenstadt Pavillone, am Flussufer ein neuer Schiffsanleger. Die Touristensaison hat noch nicht begonnen, vor allem Kinder auf Klassenfahrt haben die Burg in Beschlag genommen. Dahinter ist schon ein großer Markt aufgebaut, auf dem man jede Menge „Schreppel“ kaufen kann: Holzbögen, Prinzessinenkleider und natürlich Bernsteinketten. Bleibt die Frage, was den Kindern mehr fetzt. Wir sind gerade in der Bernsteinausstellung, da kommt eine Horde Grundschüler herein. Schnell flitzen sie in alle Ecken, fotografieren wahllos mit ihren Smartphones drauflos und sind bald wieder draußen. Um mit Pfeilen zu schießen und sich mit Holzschwertern gegenseitig zum Ritter zu schlagen. Nice.

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Ebenfalls super: Direkt gegenüber der Burg gibt es einen Campingplatz an einem Teich, der erste bisher, den wir ganz für uns haben. Der Besitzer scheint Spaß an Holzarbeiten zu haben. Selbstgebaute Bänke und Unterstände und sogar ein Holzschiff zum Klettern zieren den Platz. Zwei große wuschelige Schäferhunde passen auf, aber mehr auf ihr Herrchen – seinen Rasenmäher mögen sie offenbar gar nicht und begleiten ihn bellend. Wir sitzen abends gemütlich in unserm Unterstand am Wasser und blicken auf die beleuchtete Burg.

0 Comments on “Marienburg

  1. Ist das Auto eigentlich extra für diesen Anlass angeschafft?

    • Hei Chris 😉 Ja, kann man so sagen. Ich brauchte ein Auto für Arbeit, und wir wollten damit reisen können – da haben uns Freunde den Dacia empfohlen. Hat sich bewährt!

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