Trakai und Kaunas

Trakai ist so die Art touristische Sehenswürdigkeit, die man auf dem Weg von Vilnius an die Küste mal mitnehmen kann: ein Wasserschloss in einer kleinen Stadt, nur 30 Kilometer entfernt. Ein sehr schönes Schloss noch dazu, aus rotem Backstein, mit Schilf im See ringsum und einer langen Holzbrücke, die hinüber führt. Trotzdem haben wir uns die Burg nicht weiter angesehen, vielleicht wegen der schon äußeren Ähnlichkeit zur Marienburg, die wir auch im Inneren vermuteten. Dafür sind wir einmal ringsrum spaziert, haben zum ersten Mal eine polnisch-baltische Spezialität probiert (eine Schrippe mit Krautfüllung) und Touristen aus aller Welt beobachtet.

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Schließlich hat unsere Reise zu einer Zeit begonnen (Anfang Mai), die keineswegs typische Reisezeit zu sein scheint. Das bedeutet, dass wir auf Campingplätzen – auch jetzt im Juni noch – oft allein sind oder nur wenige Wohnmobilreisende treffen, und dass selbst an Sehenswürdigkeiten, von Schulklassen einmal abgesehen, nicht viel los ist. In Trakai aber erstmals: Busladungen. Familien. Studenten aus den USA, die ich erst für fiese Lästerer halte, dann aber merke, dass es um die Fernsehserie Grey’s Anatomy ging („Oh I didn’t like Izzie…“). Japanische Touristen mittleren Alters. Französische Rentner. Betrunkene Jugendliche. Den Vogel (und vor allem sich selbst) abgeschossen haben zwei Mädchen, die sich wirklich für nichts interessiert haben, als sich selbst möglichst fotogen vor irgendwas in Szene zu setzen und tausende Handybilder zu knipsen. Eigentlich waren sie schon fertig, da stellten sie nach Betrachten der Bilder fest: Nee, das reicht immernoch nicht. Nochmal den Pulli etwas runter, nochmal von der Seite, nochmal die Haare zur Seite…

Die Schlangen von Kaunas

Auch Kaunas war erst nur als Zwischenstopp geplant, vor allem wegen des Teufelsmuseums, aber der Zeltplatz hatte es uns so angetan, dass wir eine Nacht länger geblieben sind. Das hätten wir zunächst beide nicht gedacht. Vom selben Anbieter wie in Vilnius gab es auch in dieser litauischen Großstadt einen Campingplatz, der praktischerweise in der Stadt lag. Als wir ankamen und den Platz fanden, direkt an einer großen, lauten Kreuzung, hatten wir es erst einmal satt. Aber wie sich herausstellte, war er nicht nur relativ günstig – man bekam von dem Verkehr auch nicht mehr allzuviel mit, wenn man einmal unter den Kiefern auf der Decke lag. Erst recht nicht, wenn man von einer Schlange abgelenkt wird. Das kam so: Neue Ankömmlinge deuteten auf die Wiese, der Campingplatz-Typ wurde etwas hektisch, stülpte einen Wascheimer darüber und legte Papierrollen darauf, sagte nur „They found a snake“ und begann rotgesichtig zu telefonieren. Ich also gegoogelt, ob es in Litauen gefährliche Schlangen gibt. Ergebnis: eine Viper, aber äußerst selten. In der Zwischenzeit hatte er sein Telefonat beendet und klopfte mit einem Besenstiel an den Eimer. Christoph, auch schon sehr aufgeregt, also hin und fragte, ob er mal darunter schauen darf. Er durfte – sollte nicht gefährlich sein, sagte der Campingplatz-Typ. Christoph hob den Eimer an und erblickte: eine Plastikschlange. Großes Gelächter und Erleichterung auf allen Seiten. Außer bei den Neuankömmlingen, die vielleicht dachten, dass wir ihnen diesen Streich gespielt haben…

Die fitten Lituaer

Direkt neben dem Zeltplatz liegen Sportplätze und einer von zwei Badeseen der Stadt, was an diesen heißen Tagen von dutzenden Litauern genutzt wurde. Beim abendlichen Spaziergang trafen wir auf Jogger und Radfahrer ebenso wie auf Freizeitsportler, die die öffentlichen Sportgeräte am Seeufer nutzten. Am anderen Ufer gab es sogar einen Kletterwald und eine Sauna (im ganzen Baltikum übrigens sehr typisch), auf den Weg hinüber auch ein Bootshaus.

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Kaunas selbst ist eine nette, viel kleiner wirkende Stadt, denn die Häuser der Altstadt sind selten mehr als zwei Etagen hoch. Ein bisschen italienisch kam mir der Ort vor mit seinen vielen Straßencafés und Gassen vor. Die Kaunaser sind ähnlich wie die Vilniuser schick angezogen, was an der Einkaufsstraße vor allem durch die Studenten auffiel – die Technische Uni befindet sich direkt an der größten Fußgängerzone der Stadt. Das Teufelsmuseum war auf jeden Fall einen Besuch wert, enthält es doch hunderte Figuren aus verschiedenen Ländern und Zeiten. Gesammelt hat sie der berühmte litauische Künstler Antanas Žmuidzinavičius (1876–1966), dessen Wohnung und Werke man auch besichtigen kann. Das Museum wurde nämlich einfach an dessen ehemaliges Wohnhaus herangebaut. Abgesehen davon war es uns zu heiß für einen langen Aufenthalt in der Stadt, weshalb wir schnell mit dem Bus zurück zum See gefahren sind. Schnell ist in diesem Fall sehr wörtlich zu nehmen: Die rigorosen Fahrerinnen nehmen ihren Zeitplan sehr ernst und fahren, was die Elektrobusse hergeben.

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Litauen, 21. bis 23. Mai

4 Comments on “Trakai und Kaunas

  1. Vielen Dank für die schönen Einblicke. Wir folgen Euch gespannt und freuen uns auf weitere Geschichten und Erlebnisse.. Liebe Grüße auch von Betty… ( Katrin)

    • Vielen dank und ganz liebe grüße zurück aus dem recht kühlen aber zum glück noch sonnigem finnland. Freuen uns sehr, dass ihr hier vorbeischaut 🙂

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