Im Bauch von Riga

Die Donut-Verkäuferin hat Stress, aber sie lässt es sich nicht anmerken, sie ist das schon gewohnt. Während die Kunden vor der kleinen Theke Schlange stehen, wendet sie lässig mit einer Hand die Donuts im brutzelnden Fett, die andere Hand in der Hüfte. Sie ist bestimmt Ende 60, trägt einen exakten Lidstrich und hellen Lidschatten. Die blondierten Haare sitzen wie eine Marylin-Monroe-Gedächtnisfrisur. Wenn sie nach getaner Arbeit die Schürze ablegt, könnte sie sofort ins Theater gehen. Jetzt aber nimmt sie die fertig gebackenen Teile und drückt sie gegen eine Maschine, die Himbeermarmelade hineinspritzt. 17 Cent kostet ein Donut (ohne Marmelade 14), 50 Cent der Cappucino aus der Maschine, die sie ebenso lässig mit einer Hand bedient, bevor sie sich wieder ihren Donuts zuwendet. Unsere Donuts sind noch warm, jeder Biss in die klebrige Süßigkeit ist ein Genuß. Einer von vielen, den die Rigaer Markthallen bieten.

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Die ehemaligen Zeppelinfabriken in der Nähe der Altstadt bieten alles, was das Herz begehrt. Oder besser gesagt: der Magen. Fünf sind es an der Zahl, und auch ringsum stehen noch unzählige Marktstände, vor allem mit Blumen, Obst und Kleidung. Im Inneren verbergen sich auch noch zwei kleinere Supermärkte. Es gibt eine Halle für Fleisch, eine für Fisch, eine für Käse und Backwaren, eine für Gemüse und eine für Trockenfrüchte, Süßigkeiten und Krimskrams. Geht man nur ein paar Meter in die erste Halle hinein, gehen nach beiden Seiten endlose Fleischtheken weiter. Ein Schweinekopf liegt da, außerdem unendliche Mengen rosanen Fleisches vor hellblauen Fliesen. Auch ganze Schweinehälften könnte man hier kaufen. Alle paar Meter steht ein Verkäufer, sodass kein Kunde lange warten muss und auch jeder Zeit für einen Schwatz hat.

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Die Preise klingen nur solange heftig, bis wir feststellen, dass es Kilopreise sind. Am ersten Tag haben wir uns für rund 3,50 Euro quer durch die Hallen gefuttert, am zweiten noch ein paar Häppchen für später mitgenommen. Runde Pizzastücke mit Milchbrötchenteig und Pilz- oder Tomatenbelag bekommt man für 50 Cent, mit Kraut gefüllte Brötchen für 20. Alles ist frisch, teilweise zu frisch. In der Fischhalle liegen einige Störe noch nach Luft schnappend in der Eistheke, sie werden aus großen Becken dahinter gefischt. Obwohl fast alle Stände in einer Halle so ziemlich das Gleiche anbieten, haben sie alle ihre Kunden. Zu jeder Tageszeit herrscht Gewusel in den Gängen. Ist ein Verkäufer beschäftigt, geht man eben zum nächsten Stand. Kann man sich zwischen den zig eingelegten Gemüsesorten nicht entscheiden, steckt einem die ältere Frau mit den Worten „Njam njam njam“ einfach ein Stück scharfen Paprika in den Mund. Der stellt sich als so lecker heraus, dass man einfach ein Beutelchen davon mitnimmt.

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Schon der Gedanke an die Markthallen lässt uns noch immer das Wasser im Mund zusammenlaufen. Warum gibt es das nicht überall???

Lettland, 29. und 30. Mai 2014

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One Comment on “Im Bauch von Riga

  1. Schöne Markthalle schöner Bericht kann man sich mal satt sehen und essen

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