Wenn Robinson auf Saaremaa gelandet wäre

Nach all den Städten und Parks in Litauen und Lettland war es nun Zeit, etwas Inselfeeling aufkommen zu lassen. Unser erstes Ziel in Estland sollte Saaremaa sein. Die größere der beiden estischen Urlaubsinseln begrüßte uns mit Regenwetter. Wir besuchten erst einmal zwei der Hauptattraktionen: Ein kleines historisches Fischerdörfchen und einen Meteoriten-Krater. Danach fuhren wir in Richtung Kurressare, der einzigen Stadt auf Saaremaa, außer der es hier nur winzige Dörfer gibt. Die Touristen klappern meist von dort aus per Bus die Attraktionen im Schnelldurchlauf ab. Dies erzählte uns ein Dortmunder, welcher hier schon seit sieben Jahren im Sommer Senf herstellt und verkauft – und durch dessen Sortiment wir uns einmal kosten durften. Schmackofatz!

krater

Der Krater von Kaali

Das eigentliche Highlight der Insel lag versteckt und weit entfernt von den touristisch besuchten Gebieten. Auf der Suche nach einem Campingplatz im Norden Saaremaas landeten wir – einem kleinen Schild folgend – auf einer ewig langen Schotterpiste durch Wälder, karges Gelände, vorbei an kleinen alten Gehöften und hier und da auch einem alleinstehenden Luxusdomizil, dessen Besitzer wohl gerne in der Einsamkeit abschalten. Nach etwa 10-15km Hoppelstraße zeigte ein Holzschild in Richtung eines kleinen Naturcampingplatzes. Dieser hatte neben einem Herzhäuschen, einem Feuerholzverschlag und einer Sitzgelegenheit auch eine großartige Feuerstelle mit Grillmöglichkeit. Noch etwas überrascht, dass es auch in Estland schon das Jedermannsrecht gibt, machten wir uns freudestrahlend auf den Weg zum nächsten Konsum, um uns Leckereien für ein spontanes Grillen zu besorgen. Den Abend und die Nacht waren wir vollkommen allein. Nur zwei Fischern konnten wir eine Weile bei ihrer Arbeit zuschauen. Der riesige Hund der beiden überraschte uns zwar mit seiner spontanen Anwesenheit, er ignorierte uns aber und schwamm treuherzig den weiten Weg bis zum Fischerboot. Sehr trollig.

Camping

Wildcamping auf Saaremaa

Mit dem Wissen um diese tollen Campingplätze und wo sie sich befinden, besuchten wir auch noch die restlichen Touri-Attraktionen: Die Kliffs im Norden und die berühmten Windmühlen, welche aber leider ungeeignet für fotografische Exkursionen waren (überfüllt, umzäunt und künstlich bestrahlt). Nach einer Nacht auf einem Campingplatz eines jungen Paares, welche einen ehemaligen Kuhstall zu einem Hostel umgebaut haben, verbrachten wir einen weiteren Tag auf einem der Naturplätze, um daraufhin die Insel wieder zu verlassen.

(Estland, Saaremaa, 2. bis 7. Juni 2014)

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