Lahemaa: Wald, Sand, Strand

Nach der Einsamkeit und Ruhe von Saaremaa hatten wir Ähnliches von Laheema, dem Nationalpark an der Küste östlich von Tallin, erwartet. Ganz so menschenleer war es dann doch nicht, aber das war uns auch ganz recht so. Wir haben nämlich einen Campingplatz gefunden, auf dem wir uns sofort wohl gefühlt haben und das ist, wenn man längere Zeit ohne festes Zuhause umherreist, auch mal ganz schön.
Laheema wird von jedem Reiseführer empfohlen – als wilde Ecke zum Wandern. Tatsächlich wirkte es vor Ort gar nicht so wild. Holzhausdörfer mit nur wenigen Eigenheimen und sonst nicht viel mehr, Wiesen, Felder mit dutzenden Störchen und Wälder wechselten sich ab, als wir auf der Suche nach einem Zeltplatz kreuz und quer durch den Park fuhren. Auch zwei schicke Gutshäuser und eine riesige, weiße Mühle tauchten am Straßenrand auf. Eine Touristeninfo brachte uns dann zu einem Platz, an dem wir vor Stunden beinahe schon einmal vorbeigefahren waren. Noch bevor wir an der Rezeption „Tere!“ (sowas wie Guten Tag oder Hallo) sagen konnten, begrüßte uns ein kleiner Junge mit Brille und Dinosaurier-Kapuzenjacke mit „Hello!“ Dann erklärte uns seine Mutter, die Inhaberin, er und sein Bruder würden gerade diskutieren, wer die Schokolade aufteilen darf. Wir grinsten, und freuten uns über die Übernachtung für nur 10 Euro. Dazu gab es kleine Feuerstellen auf dem Platz, eine Küche mit Herd zur freien Benutzung, die Sonne schien und der Strand schien auch in der Nähe zu sein. Alles prima also!

Die wilden Tiere von Lahemaa

Die wilden Tiere von Lahemaa

Und tatsächlich lag hinter einem schmalen Streifen Wald ein Sandstrand, mehr eine Sandbank, aber ewig weit in beide Richtungen. Das Wasser war klar, sauber und nicht allzu kalt in der Bucht – zum ersten Mal seit Längerem war baden wieder eine Option geworden. Sandstrände hatten wir zuletzt in Nida auf der Kurischen Nehrung gesehen. Als die Sonne später glühendrot im Meer versank und wir unsere Partie Federball beendet hatten, schaute sogar etwas dunkles, rundes aus dem Wasser, das verdächtig nach Seehund aussah.

Sonnenuntergang in der Bucht bei Vosu

Sonnenuntergang in der Bucht bei Vosu

Auf dem Biber-Weg und dem Naturlehrpfad nahe des Nationalparkcenters haben wir dann leider keine wilden Tiere entdeckt, dafür die Spuren, die sie an Bäumen hinterlassen haben. Bären, Luchse, Elche – alle scheinen aus verschiedenen Gründen die Rinden aufzukratzen, was die Bäume nachhaltig schädigt. Die auffälligsten Schadstellen haben vor hundert Jahren aber Menschen hinterlassen, als sie das Harz der Bäume geerntet haben. Der Wald hier sah teilweise ganz anders aus, als wir ihn bisher auf unserer Reise gesehen haben: Pinien standen auf einem unbewachsenen Waldboden und ließen nur manchmal genug Licht durch, um kleinere Nadelbäume zwischen ihnen wachsen zu lassen.

Auf dem Naturlehrpfad von Oandu

Auf dem Naturlehrpfad von Oandu

Da das Wetter abkühlte und uns sogar einen Regentag bescherte, nutzten wir die Zeit zum Wäsche waschen und Artikel schreiben. Aus dem Badetag ist leider nichts geworden (Christoph hatte clevererweise den ersten, noch warmen Abend genutzt), dafür haben wir zwei Niederländer kennengelernt, die auch durchs Baltikum reisten und außer uns die einzigen jungen Leute auf dem Zeltplatz waren. Sonst waren es vor allem deutsche Senioren, die es hierherzog und eine slowenische Wohnmobil-Reisegruppe. Dank der stets gut ausgestatteten Wohnmobil-Camper konnten wir mit ein bisschen extra Mehl aber die Pizzateigtaschen retten, die ich mit zuviel Wasser beinahe versaut hätte.

Fazit: Immer noch keinen Braunbär gesehen, aber immerhin nette Menschen getroffen und den Vorrat an frischgewaschener Wäsche wieder aufgefüllt.

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3 Comments on “Lahemaa: Wald, Sand, Strand

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