2 Tage, 2 Hauptstädte

Etwa ein Monat war seit dem Beginn unserer Reise vergangen und wir würden das Baltikum bald verlassen. Als letztes stand mit Tallinn die dritte baltische Hauptstadt auf dem Programm. Als wir die Stadtgrenze passierten, fiel uns als erstes ein riesiges Neubauviertel in die Augen. Nachdem unsere Essenskiste wegen der bevorstehenden finnischen Preise in einem Supermarkt um einige Leckerein, Rum, Bier und Wein erweitert wurde, ging es zum Citycampingplatz Tallinn. Da dieser nicht sonderlich weit von der Innenstadt entfernt war, machten wir uns auch sofort auf Erkundungstour. Tallinn selbst kam uns sofort vertrauter vor, als wir es erwartet hatten. Die mittelalterliche Altstadt und die darauf ausgerichteten Restaurants und Kneipen könnten genauso auch irgendwo in Deutschland stehen. Alles in Allem eine sehr schöne historische Stadt eben. Anders als in Vilnius oder Riga schien hier auch schon die Tourismussaison angebrochen zu sein. An jeder Ecke versuchte man uns Flyer in die Hand zu drücken und uns von den Vorzügen der Kneipen zu überzeugen. Außerdem waren überall Straßenkünstler, Musiker und Tourigruppen auf Stadtexkursion. Außer der ältesten Apotheke haben wir diesmal aber nichts bestimmtes besucht und sind einfach nur durch die Straßen geschlendert. Am Abend haben wir dann noch die Fährtickets für die Fahrt nach Helsinki im Internet bestellt, um daraufhin aufgeregt, was das nächste Reiseland zu bieten hat, in den Schlafsack zu schlüpfen.

The Times we had

Wenn es etwas gibt, was ich als Autofahrer gar nicht leiden kann, dann ist es Stadtverkehr. Am folgenden Tag standen dummerweise die Zentren zweier europäischer Hauptstädte auf dem Plan. Schnell nochmal zu günstigen baltischen Verhältnissen getankt und ab auf die Fähre. Der Fährangestellte begrüßte uns, bevor ich auch nur ein Wort sagen konnte, mit einem freundlichen: „Laura und Christoph?“ und drückte uns mehrere Zettel in die Hand, welche von einem Kollegen wenig später fast noch freundlicher kontrolliert wurden. Klappte ja alles wie am Schnürchen. Nur der Zoll schaute etwas skeptisch drein, ließ uns aber im Endeffekt auch nach ein paar seltsamen Fragen ziehen. Auf der Fahrt Richtung Helsinki ließen wir den grauen Himmel Tallinns hinter uns und fuhren auf einen blauen und sonnigen Horizont zu. Da hier schon alles recht teuer war, verbrachten wir die Zeit mit der Beobachtung anderer Fährgäste. Darunter waren hauptsächlich Finnen, oft am Rollkoffer voll Bier zu erkennen, den sie hinter sich herzogen. Diese gab es im Schiffssupermarkt zu kaufen. Neben Bier und dazugehörigem Rollkoffer gab es außerdem Süßigkeiten und noch mehr Alkohol. Ansonsten gab es noch Geschäfte mit Designertaschen, Parfüms, überteuertes Essen und Spielautomaten. Ein schwimmender Pfuhl der Völlerei und Laster sozusagen.

Blick zurück

Nachdem uns die Fähre in Helsinki wieder ausspuckte und wir einen weiteren ebenfalls skeptischen Zollbeamten passiert hatten, standen wir erstmal eine ganze Weile im Stadtverkehr. Am Citycampingplatz angekommen, wurden wir dann zum ersten Mal mit finnischen Preisen konfrontiert. Fast das Dreifache manch baltischer Zeltplätze sollte er kosten. Aber er war auch der einzige und von ihm aus die Innenstadt schnell mit der Metro erreichbar. Auch die Tickets hierfür sollten ein Vermögen kosten. Aber wir haben es ja nicht anders gewollt. In den kommenden Tagen mussten wir uns eine neue Strategie überlegen, wie wir mit einem begrenzten Budget maximale Erlebnisse sammeln können. Aber erstmal mussten wir uns in der finnischen Hauptstadt zurechtfinden. Denn nach dem unterirdischem Metro-Einkaufs-Labyrinth hatten wir total die Orientierung verloren und starrten an irgendeinem Platz mitten in Helsinki verloren auf den Stadtplan. Nach nicht einmal 30 Sekunden kam uns jedoch eine freundliche Einheimische zu Hilfe, erklärte uns, wo wir sind, erzählte ein bisschen Geschichte dazu und wie wir auf die eleganteste und schönste Weise zu unserem ersten Ziel gelangten. Der Markt hatte jedoch leider eben geschlossen und so spazierten wir noch ein wenig durch das sonnige und sehr lebendige Zentrum der Stadt.

Kulturpalast

Die Gebäude der relativ jungen Stadt wirken irgendwie bullig und kolossal, zwischendrin immer wieder glatte, von der Sonne erwärmte Felsen, auf denen junge Leute sitzen. Überhaupt wirkte alles sehr viel jünger hier. Der nächste Tag hatte wettertechnisch leider das komplette Gegenteil zu bieten: Dauerregen! Die Tageskarte war aber schon besorgt und die wollte genutzt werden. Mit der Straßenbahn fuhren wir also eine komplette Runde durch die Stadt und schauten uns diverse Markthallen, das Sibelius-Monument, die Felsenkirche und ein duzent imposanter Gebäude an. Zufällig rutschten wir auch noch in eine Vorstellung der Kunstfabrik. Am Ende des Tages waren wir zwar klitschnass, hatten aber das wohlige Gefühl, das Beste aus dem Wetter gemacht zu haben.

Sibelius im Regen

(Estland, Tallin und Finnland, Helsinki, 10. bis 12. Juni 2014)

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0 Comments on “2 Tage, 2 Hauptstädte

  1. Hier mal ein „Danke!“ für die interessanten Berichte und Photos! Kommentiere nicht jeden Artikel, lese sie aber alle – weiter gute Reise!

    • Danke dir! Sehr schön zu hören, dass der Blog verfolgt wird 🙂 In den nächsten Tagen gibt’s wieder mehr Neues, hatten mal wieder einen Schlechtwettertag…

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