Die Westküste: Inseln und Ornithologen

Schon beim Aufbruch im Helvetinjärven-Nationalpark war der Wind eiskalt gewesen, bis zum Lappajärvi, wo wir eigentlich hinwollten, hatte er sich zum Sturm entwickelt. Richtig hohe Wellen peitschten über den See. Hier campen? Nee. Als nächste Ziele hatten wir uns Nykarleby und die Sieben-Brücken-Straße  in der Nähe ausgesucht, also sind wir da gleich hingefahren. Windig und kalt war es da auch, aber wenigstens hat es nicht geregnet und wir haben einen schönen, ruhigen Zeltplatz am Fluss gefunden. Für 18 Euro mit einem tollen Aufenthaltsraum – sowas gibt’s in Finnland zum Glück auch. Die nette Angestellte ließ uns sogar ihr Internet benutzen, damit wir das Spiel Deutschland gegen Portugal sehen konnten. Da es auch am nächsten Tag kalt blieb (die Besitzerin berichtete uns von Schnee in der Nacht in Oulu, einem unserer nächsten Ziele..!), nutzten wir ihn zum bloggen, spazieren und einkaufen gehen. Nykarleby hat außer ein paar bunten Holzhäuschen, einer ebensolchen Kirche und einigen runden Felsen nicht so viel zu bieten, es ist eben eine gemütliche Kleinstadt.

Holzhausidylle in Nykarleby

Holzhausidylle in Nykarleby

Von Tag zu Tag legte sich der Wind und wir schöpften Hoffnung auf besseres Wetter. Als wir über die Sieben-Brücken-Straße weiterfuhren, die mehrere Inseln miteinander verbindet, war es sogar so warm, dass wir auf einem Felsen am Wasser picknicken konnten. Leider sind die idyllischen Küstenstreifen hier fest in Privathand, da steht Villa an Villa. Und die einzige öffentliche Badestelle, die wir gefunden haben, hat keinen Parkplatz. Erst nach der Aussichtsstraße bei Karleby finden wir einen Badeplatz neben der „Konditionsbana“ der Städter, wo wir spazieren, kochen und Federball spielen. Nachts hoppeln Feldhasen um uns herum, einer kommt sogar nah ans Auto – wir sind außer ihm ja auch die einzigen im Wald.

Hafen
Die Finnen scheinen Vögel und Vogelbeobachter sehr zu mögen. Bei Karleby hatten wir abends schon einen Vogelbeobachtungsturm bestiegen, und auf einer kleinen Insel vor Oulu sollte es noch viele davon geben. Dorthin sind wir nach einem Zwischenstopp in Raahe nämlich spontan abgebogen, als am nächsten Tag das schlechte Wetter in Form großer, dunkler Wolken ausgerechnet über Oulu hängen blieb. Die Insel Hailuoto hat drei kleine Orte, viele Kiefern, sandigen Boden, einen Hafen und offenbar ein interessantes Vogelleben. In der Einöde parkten wir neben einem Vogelturm, ganz in der Nähe gab es noch ein Beobachtungshäusschen für die Ornithologen an einem Holzweg durchs moorige Brutgebiet. Leider haben wir keine Ahnung, was da um uns herumflog und zwitscherte. Aber dieser ruhige Flecken Erde liegt etwa eine halbe Stunde von der Großstadt entfernt, und jeder kann ihn problemlos besuchen – die Fähren fahren regelmäßig und kostenlos.

Blick vom Vogelbeobachtungsturm

Blick vom Vogelbeobachtungsturm

Am Morgen des 20. Juni, dem Mittsommernachtsfreitag, verlassen wir die Insel. Dieses Mal haben wir Glück mit dem Wetter und schlendern im Sonnenschein durch Oulu. Unser Reiseführer hatte uns schon gewarnt, dass finnische Städte zu Mittsommer etwas für Fans von Zombiefilmen sind, und tatsächlich waren die Straßen bis auf ein paar Cafégäste und Spaziergänger wie ausgestorben. Für eine Großstadt wirkte das Zentrum sehr überschaubar. Auf die typische und austauschbare Einkaufsstraße folgten Pracht- und Holzgebäude, Flüsse, Brücken und Inselchen, die die Stadt sehr grün machen. Was uns geritten hat, diesen Ort, in dem Menschen in T-Shirts in der Sonne saßen, zu verlassen und Richtung Rovaniemi aufzubrechen, wissen wir leider nicht. Polarkreis, Baumgrenze – das waren bisher Begriffe, die nicht unbedingt eine Anziehungskraft auf mich hatten. Eher schon: mediterranes Klima, Palmen, Sommerhitze… Aber nun stieg die Spannung auf Lappland.

Die Skyline von Oulu

Die Skyline von Oulu

(Finnland, Nykarleby, Raahe, Hailuoto und Oulu, 16. bis 20. Juni 2014)

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