Mit Sack und Pack zur Kvalvika-Bucht

Seit Tagen stieg die Aufregung. Das Wetter auf den Lofoten wurde immer besser und der vor unserer Reise absolvierte Survivalkurs sollte auch nicht umsonst gewesen sein. Eigentlich hatten wir schon in Finnland vor, eine Wandertour inklusive Übernachtung im Zelt zu unternehmen, aber das kalte Wetter hinderte uns leider bis jetzt daran. Ein paar Tage zuvor hatte uns ein älteres Pärchen aus Deutschland von einer Bucht erzählt, welche nur zu Fuß erreichbar sei. Die Kvalvika scheint ein beliebtes Ausflugsziel bei Lofotenurlaubern zu sein und auch Camper aus aller Welt nehmen den etwa zwei- bis dreistündigen Fußmarsch in Kauf, um in völliger Abgeschiedenheit zu relaxen. Außerdem war die 13km lange Wanderung auch in unserem Wanderführer angegeben, also stand unser Ziel fest.

IMG_9545-Bearbeitet

Da wir nicht in der prallen Mittagshitze laufen wollten, ließen wir es ruhig angehen und fuhren erst gegen Abend zum kleinen Wanderparkplatz. Während wir unsere Rucksäcke packten, kamen auch zwei Mädels aus Österreich zurück und erzählten uns von dem anstrengendem Terrain, einigen Campern und von den zwei Stränden, von denen einer viel schöner als der andere sei. In unsere Rucksäcke packten wir alles, was uns einfiel, vom Belohnungsessen nebst fünf Litern Wasser, den ganzen Kamerakram, bis hin zu Schlafsack, Isomatte, Zelt und Spaten. Nachdem ich zweimal wegen vergessener Dinge zurücklaufen musste und somit die Wanderung direkt mal um zwei Kilometer verlängert hatte, konnte es losgehen.
Der Weg führte uns erst über mooriges Gelände mit den bekannten Holzplanken, später wurde es felsiger und so kamen wir nur langsam voran. Wir liefen an einem See vorbei und durch einen kahlen Birkenwald immer an den flach beschienenen Berghängen entlang. Terassenartig führte uns der Weg immer höher an wunderschönen Teichen vorbei. Als wir den letzten Anstieg vor uns sahen, war die Aufregung riesig. Der erste Ausblick auf die Bucht war zum Greifen nah.

IMG_9563
Die Kvalvika umfasst zwei durch eine Felsnase getrennte Sandstrände, in die im Sommer nachts die tiefstehende Sonne scheint. Auf den großen und saftigen Wiesen grasen seelenruhig Schafe, nur vereinzelt treibt der Wind ein Blöken ins Ohr – neben der Brandung das Einzige, was man hier hören kann. Nun standen wir allerdings vor einer Entscheidung, die uns erst nicht ganz leicht fiel. Laut den Österreichern war ja einer der Strände sehr viel schöner als der andere. Wir hatten natürlich nicht gefragt, an welchem wir zuerst vorbeikommen würden.
Weil wir am ersten, zu dem wir nach dem Abstieg gelangten, aber die einzigen waren, lag die Vermutung nahe, dass wir uns am „häßlicheren“ Strand befanden – welcher in unseren Augen aber wunderschön war. Da wir den zweiten nicht ohne einen weiteren Anstieg erreichen konnten und wir langsam realisiert hatten, dass wir viel zu viel Kram eingepackt hatten, entschieden wir uns, unser Zelt hier aufzuschlagen. Einen Vorteil hatte diese Seite der Bucht nämlich noch: Die Sonne schien hier nachts sicher etwa ein bis zwei Stunden länger, bevor sie hinter einem der Berge verschwand. Etliche Fotos, ein gutes Essen und einen Spaziergang später fielen wir erschöpft ins Zelt.

IMG_4864
Am nächsten Tag war es noch heißer, was den Rückweg nicht gerade zu einem Spaziergang machte. Schon hier begannen wir zu ahnen, dass die Temperaturen nicht gerade typisch für die Lofoten sind. Später erfuhren wir, dass in Svolvaer Hitzerekorde gemessen wurden. Zum Baden war das Wasser leider zu kalt – mehr als die Füße reinzuhalten, war für uns nicht drin. Über die steile Felsnase gelangten wir nun zum zweiten Strand, welcher wirklich wunderschön war. Unsere Entscheidung haben wir dennoch nicht bereut, da hier schon an die 15 Zelte aufgebaut waren. Außerdem kommen hier noch die Tagestouristen hinzu, welche den etwas kürzeren Weg von einem anderen Wanderparkplatz nehmen.

IMG_5004
Heraus aus der Kvalvika führt zunächst ein letzter ziemlich steiler Aufstieg, dann geht es über Fels und Gestein bergab Richtung Straße. Ein Wäldchen spendete uns noch etwas Schatten, dann folgten einige sehr heiße Kilometer auf der wenig befahrenen Straße zurück zu unserem Auto. Nach insgesamt reichlich zweieinhalb Stunden für den Rückweg hatten wir uns die nächste Campingplatzdusche redlich verdient.

Tipp
Die Wanderung zur Kvalvika wird im Rother Wanderführer „Lappland“ beschrieben. Laut diesem sind insgesamt 130 Höhenmeter zurückzulegen. Ohne Gepäck wird die Route mit 4,45 Stunden angegeben.

(Norwegen, Lofoten, Marka – 5. bis 6. Juli 2014)

von Christoph

→ Eine Beschreibung der Wanderroute inklusive Ausgangspunkt und Tipps findet ihr jetzt auch in unserer Kategorie „Wanderlust“. ←

Werbung

0 Comments on “Mit Sack und Pack zur Kvalvika-Bucht

  1. Pingback: Glück in türkis | bildbeilage

  2. Pingback: Glück in türkis | bildbeilage

Was denkst du? What do you think?

%d Bloggern gefällt das: