Hochsommer am Polarkreis

Wasser, so glasklar, dass der metertiefe Grund deutlich zu sehen ist. So warm, dass Baden möglich ist. Und so wild, dass die Rückenmassage besser ist als im Whirlpool: Norwegen nördlich und südlich des Polarkreises ist vielleicht kein typisches Sommerferienziel, aber bei Hitze um 1000 Bademöglichkeiten reicher.

 Schönheit am Straßenrand

Gerade noch war ich traurig gewesen, weil wir die Lofoten verlassen mussten. Dann haben wir eine lange Brücke überquert, sind von der Hauptstraße abgebogen und haben nur wenig später am Straßenrand auf einem kleinen Parkplatz gehalten. Tief und rot stand die Sonne am Himmel über einer Bucht, die fast vollständig von Bergen umgeben war. Durch hochgewachsenes Gras und Büsche führte ein Trampelpfad ans Ufer. Kein Strand, sondern schwarz-weiße Steinterrassen führen bis ans tiefe, blaue Meer. An einer Landzunge liegt ein Kunstwerk aus verrostetem Stahl, das die Bezeichnung auch verdient hat. (Nicht so wie vor dem Annaberger Arbeitsamt also, für die Erzgebirger unter euch. Oder wie Rainald Grebe in „Meine kleine Stadt“ singt: „Vor dem Arbeitsamt hatte ein Künstler aus London oder New York seinen Stahl abgestellt und nicht wieder abgeholt…“) Nachts sehe ich durch die Bäume vor unserem Auto, wie die Sonne im Meer glitzert. Morgens ist es schon wieder so heiß, dass ich mich vor dem Frühstück im Meer abkühle. Norwegen ist zum Glück immer noch schön, auch außerhalb der Lofoten! Außerdem durften wir auf dem Weg nach Süden noch ein paar Blicke auf die Lofotenwand werfen.

Kunst und Küste

Nach all den guten Erfahrungen, die wir mit und in den finnischen Nationalparks gemacht haben, waren wir jetzt wild darauf, die norwegischen kennenzulernen. Die meisten im Norden liegen leider etwas ab vom Schuß, aber nicht der Rago-Nationalpark, den wir nun ansteuerten. Der Tag, der mit Baden im Meer begonnen hatte, wurde so heiß, dass wir noch mehr Abkühlungen brauchten. An einem Fjordende sahen wir viele Norweger grillen und planschen, also sind wir auch mal schnell ins Wasser gehüpft. Klar war es etwas frisch, aber dafür auch erfrischend. Es ist ein tolles Gefühl, sich auf dem Rücken treiben zu lassen, während man auf schneebedeckte Berggipfel schaut.

Badebucht

Autofahren ohne Kimaanlage in der Hitze macht extrem müde – da kommt jede Badepause recht, und auch jede Unterbrechung. Auf dem Weg von Narvik nach Süden machten wir einen Abstecher zu den Felseinritzungen von Leiknes. Die Sonne stand schon nicht mehr so hoch, so dass die nicht allzu tief eingeritzten Tiere aus dem schwarzen Felsen hell hervorstachen. Vor allem der Orca, lebensgroß dargestellt, hat mich sehr beeindruckt. Warum die früheren Nordnorwegenbewohner vor allem Tiere gezeichnet haben, ist nicht bekannt. Jedenfalls finden sich auf der Felsplatze dutzende Rentiere, Elche und Schwäne.

Schwäne

Outdoor-Spaßbad

Danach war es bald wieder Zeit für eine Erfrischung. Ich war auf dem Beifahrersitz schon beinahe eingeschlafen, als Christoph plötzlich rechts ranfuhr. Mehr als ein Auto hatte hier keinen Platz. Aber irgendwie hatte er einen wunderschönen kleinen Wasserfall gefunden. Die Sonne hatte die Felsen, über die das Wasser strömte, und damit auch das Wasser selbst ordentlich erwärmt. Haarewaschen im Wasserfall (mit spezieller naturfreundlicher Seife!) kann ich jetzt wärmstens empfehlen. Außerdem sich den Rücken vom herabströmenden Wasser massieren zu lassen. Besser als in jedem Spaßbad, mit grandioser Aussicht und natürlich kostenlos. Danke, Norwegen!

Wasserfalldusche

Am Abend erreichten wir den Wanderparkplatz, und auch der war eine freudige Überraschung. Er lag neben einem Holzhaus am Ende der Talstraße vor einer riesigen Felswand, hatte eine Picknickbank und das wohl schönste Klo Norwegens. Jedenfalls, wenn man den Dankesschreiben an der Tür glauben mag. Was von außen nach Holzschuppen aussah, entpuppte sich im Inneren als gefließtes, gut ausgestattetes (sogar ein englischer Thriller war vorhanden) Bad. Zur Verfügung gestellt von der Forstverwaltung, die auch die Selbstversorgerhütte am Rand des Nationalparks wartet. Die hatten wir grob als Ziel für den nächsten Tag angepeilt.

Lakselv-Fluss

Aber gleich nach dem Aufwachen merkten wir: Das wird Quatsch. Es war schwül-heiß, und schon der kleinste Aufstieg brachte uns ohne Ende zum Schwitzen. Am Lakselv-Fluss entlangzuwandern war trotzdem unglaublich schön, sei es wegen des türkisblauen Wassers, den saftigen Farnbüscheln, den alten Bäumen oder der genialen, wackelnden Hängebrücke. Außer uns war nur eine tschechische Wandergruppe unterwegs, die aber schon auf dem Rückweg war, und ein paar einzelne Wanderer mit ihren Hunden. Bis zum ersten Aussichtspunkt auf das Tal sind wir dem Weg gefolgt, auf den eigentlichen Nationalpark haben wir dann doch verzichtet und stattdessen einen Campingplatz auf einem Hügel bei Fauske zum Wäschewaschen angesteuert. Auch an den nächsten Tag hielt die Hitze an. So kam es, dass wir anders als in Finnland beim Überqueren des Polarkreises nicht froren – sondern mit einem Gewitter weiter nach Süden zogen.

 

von Laura

(Norwegen, Fylkesvei/Sandstrand bis zum Polarkreis, 10. bis 12. Juli 2014)

0 Comments on “Hochsommer am Polarkreis

  1. Immer wieder beeindruckende Fotos!!
    Frage: Welche Erfahrungen habt Ihr mit Mücken gemacht?

    • Gute 😉 In Estland und Finnland gab es welche in den Nationalparks, vor allem an moorigen Stellen. Aber insgesamt waren es nicht so viele, nicht diese krassen Schwärme, von denen man immer hört. In Norwegen waren es eher winzige schwarze Fliegen, die uns genervt haben.

    • Falls das hilfreich ist: Nach meiner Erfahrung hängt das Mückenproblem in Skandinavien sehr davon ab, zu welcher Zeit des Sommers man da ist – Ende Juli/Anfang August bin ich hoffnungslos zerstochen worden, Ende Juni/Anfang Juli gab es deutlich weniger Mücken. Dafür hatte ich dann mit Bremsen zu kämpfen, die sich immer in meine Haare gesetzt haben… 🙂

      • Stimmt Bremsen hatten wir auch im Norden ein paar! Und Reisende, die nach uns im Juli in Finnland waren, haben uns auch von unzähligen Mücken erzählt…

  2. Wirklich schade, dass wir (oder unser Auto) es nicht bis in den Norden von Norwegen geschafft haben!! Schau ich mir euren Beitrag so an, bin ich mir aber sicher, dass wir Norwegen wiedersehen werden. Euch noch eine schöne Zeit!

    • Danke, euch auch! Ich kann es nur empfehlen – das Wetter ist natürlich Glückssache, aber die Landschaft war richtig klasse!

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