Überraschungsparty in Bergen

Wie bereits erwähnt: Ich mag keinen Stadtverkehr! In Norwegen kam immer das schlechte Gefühl hinzu, dass ich mich bei der wunderschönen Natur entschuldigen müsste, wenn ich wertvolle Zeit für verdichtete Ballungsgebiete verschwende. Bergen hatte jedoch eine ganz besondere Überraschung für uns parat. Aber zuvor bestätigte sich meine Abneigung gegenüber dieser Stadt. Campingplätze befanden sich nur weit vom Zentrum entfernt, alle Wohnmobilstellplätze wurden augenscheinlich geschlossen und die automatischen Mautstationen ließen das Geld von unserem Konto wie von Zauberhand verschwinden. Außerdem schien Bergen seltsam überfüllt zu sein. Stau, Straßensperren, Menschen überall. Wir fuhren ewig im Kreis und unser Navi schien noch verwirrter als wir selbst, als es uns Umwege von 50 (!) Kilometern vorschlug.

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Schlussendlich fuhren wir in eine Einfahrt nahe eines Hafens, aus dem ein Wohnmobil kam und fanden den perfekten Stellplatz – direkt am Wasser mit Blick zur Altstadt. Zwar waren sich auch die anderen Camper nicht ganz sicher, ob man auf dem Firmenparkplatz bleiben dürfe, aber es war Wochenende und alle waren sich darüber einig, dass die Besitzer besseres vorhätten. Unsere Nachbarn sagten uns noch, dass in der Stadt irgendeine Art Kirmes wäre und wir beschlossen direkt auf Erkundungstour in das nicht einmal einen Kilometer entfernte Zentrum zu gehen. Und hier war tatsächlich irgendwas im Busch, denn wir fanden uns zwischen dutzenden alter Segelschiffe und tausenden feiernden Menschen wieder. Manigfaltige Fressbuden verströmten betörende Gerüche, ließen uns aber aufgrund der Preise hungrig zurück – ein Imbiss kann hier schnell einmal 20-30 Euro kosten. Nein danke!

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Auf der anderen Seite des Hafens standen vor einem Segelschiff auf einmal unzählige wartende Menschen. Wir waren uns nicht ganz schlüssig auf was, aber wir beteiligten uns. Die vielen Metal-Shirts und die Instrumente auf dem Schiff ließen laute Musik vermuten. Nach einer ganzen Weile begann dann tatsächlich die Band zu spielen. Dazu stürmten auf einmal 28 Matrosen die Masten des Schiffes und ein Chor auf einer anderen Bühne duelierte sich abwechselnd mit den grunzenden Metallern. Um das ganze abzurunden, begann nach diesem Lied ein rießiges Feuerwerk und am Ende sangen alle Beteiligten plus der Zuschauer ein Seemannslied. Nachdem das Spektakel vorbei war, hatten wir dringenden Bedarf sofort herauszufinden, was zum Geier hier eigentlich gerade passiert ist. Das Fest stellte sich im nachhinein als großes Schiffsrennen heraus. Sehr zu empfehlen und wer zufällig und ohne Vorbereitung hineingerät, hat noch mehr Spaß.

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Am nächsten Tag machten wir einen ausgedehnten Sonntagsspaziergang durch die Stadt, einen Abstecher zum Bäcker und schauten den Segelschiffen beim Verlassen des Hafens zu. Danach verließen wir das nun nicht mehr ganz so chaotische Bergen und freuten uns auf das, was uns als nächstes bevorstand: Die Wanderung zur berühmten Trollzunge!

(Norwegen, Bergen, 26. bis 27. Juli 2014)

von Christoph

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0 Comments on “Überraschungsparty in Bergen

  1. Wo ist dieser tolle Wasserfall? (Und warum waren wir dort nicht?) Mir ist auch Saurons Turm nicht so aufgefallen. Ist das die Brücke mit der teuren Maut und dem Tunnel, von der ihr früher schon geschrieben habt?

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