Der letzte Aufstieg

Festes Schuhwerk solle man bei dem steilen und steinigen Aufstieg zum Preikestolen tragen. Das kann man auf den Schildern lesen, die hier überall herumstehen. Und damit es auch der Letzte versteht, sieht man darauf auch Symbole mit durchgestrichenen Sandalen und Stöckelschuhen. Was einem dann auf dem Weg hinauf begegnet, zeugt dagegen wieder einmal von völliger Ignoranz. Aber zum Glück haben wir das erst auf dem Heimweg erlebt, denn wir wollten auch auf dem Preikestolen campen. Das hat zugleich mehrere Vorteile, denn wenn man vorhat, dort oben zu schlafen, kann man getrost richtig spät starten und es kommen einem nur noch vereinzelt Menschen entgegen und man lernt auch noch welche kennen, die das Selbe vorhaben und aus diesem Grund meist auch entspannt und nett sind und ähnliche Ansichten haben wie man selbst. Des Weiteren hat man dadurch die Gelegenheit, diese wunderschönen Orte bei Nacht und im Dämmerlicht zu bestaunen, was besonders mir als Fotonarr besonders entgegenkommt. Der Weg zum Predigtstuhl ist wiedermal steinig und steil, aber mit seinen 3km im Gegensatz zur Trolltunga-Wanderung fast ein Spaziergang.

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Kurz vor dem Ziel wird es dann auf dem Kliffweg nochmal spannend, denn der Weg führt knapp am Abgrund entlang, bis man den markanten Preikestolen erreicht. Wenn man auf der etwa 20x20m großen Fläche steht, kommt sie einem gar nicht so spektakulär vor – zumindest ging es mir so. Das kann aber durchaus daran liegen, dass ich mich nicht sehr nah an den Abgrund getraut habe. Dieser geht hier an drei Seiten 600m senkrecht herunter zum Lysefjord, auf den man aber auch als Adrenalinallergiker einen tollen Blick genießen kann. Um den Preikestolen selbst vor dieser Landschaft sehen zu können muss man noch ein wenig höher klettern. Dort finden sich dann auch einige Stellen, an denen man sein Lager aufschlagen kann. Leider hatte es hier vorher geregnet, weshalb die Wiesen unter Wasser standen und wir erst eine Weile suchen mussten. Von schönen Abendlicht und Sternenhimmel war unglücklicherweise keine Spur, aber mit einem Bier und Fertignudeln ist nach so einer Wanderung jeder Ort schön. Vorsichtshalber stellten wir uns aber dennoch die Uhr auf 5 Uhr, um einen eventuellen Sonnenaufgang nicht zu verpassen. Und tatsächlich war der Himmel wunderbar rot eingefärbt, als der Wecker klingelte. Mit einigen anderen Campern – darunter sogar ein Künstlerpärchen mit Leinwänden, Farben und Pinseln bewaffnet – genossen wir die frühen Morgenstunden. Nach Frühstück mit Spiegelei und Brötchen packten wir mittlerweile geübt alles schnell zusammen und machten uns an den Abstieg. Hier konnten wir lächelnd und um ein großartiges Erlebnis reicher an den eingangs erwähnten Spezialisten vorbeigehen.

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Der Preikestolen sollte leider das letzte Abenteuer in Norwegen sein. Zwar hatten wir noch überlegt, den in der Nähe befindlichen Kjerag zu besteigen, doch meine Knie hatten nach dem letzten Abstieg andere Pläne und so bestiegen wir nur den ersten Hügel und entschieden uns diesen Berg Zukunftslaura und Zukunftschristoph zu überlassen. Die müssen ja schließlich auch noch was erleben. Schon auf unserem letzten Zeltplatz buchten wir eine Fähre von Kristiansand nach Hirtshals in Dänemark. Kristiansand selbst stellte sich als ein guter Abschluss unserer Europareise heraus. Wir hatten einen tollen kostenlosen Park- und Schlafplatz nicht weit vom Zentrum, aber dennoch idyllisch an einem Strand gelegen. Bevor wir zum Hafenfest gingen, welches zufällig auch noch gleich nebenan stattfand, gabs noch ein leckeres Essen und einen Rotwein – den einzigen, den wir uns in Norwegen in der ganzen Zeit gekauft haben. Es war der günstigste und er kostete etwa 10€. Die norwegischen Preise für Alkohol sind nämlich exorbitant hoch. Zwar sind wir Deutschen definitiv zu sehr verwöhnt, was das angeht, aber man kann es auch übertreiben. Eine Flasche Jägermeister kostet hier 60€, eine Flasche 16 Jahre alter Single Malt Whiskey 130€. Man kann sich das Leben auch unnötig schwer machen. Am nächsten Morgen ging es um 5 Uhr früh los, mit der Fjord-Cat ging es über den Skaggerakk und in Dänemark machten wir nur einen kurzen Abstecher an den Strand, um uns abzukühlen. Nach einer Nacht im quirligen Hamburg bei Freunden erreichten wir zwei Tage früher die Heimat als angekündigt. Die zwei Wochen Heimaturlaub waren schon gut verplant, aber wir freuten uns riesig alle nochmal zu sehen, bevor es dann ab Ende August ins „richtige“ Abenteuer gehen sollte. Die Aufregung stieg…

(Norwegen, Preikestolen bis Kristiansand, 1. bis 6. August 2014)

von Christoph

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