Cat Ba, kleine Schwester von Ha Long

Schroffe Karststeinfelsen, die wie Hochhäuser aus dem azurblauen Meer ragen, dazwischen asiatische Ausflugsboote und wunderbare Strände. Das muss die Ha-Long-Bucht sein! Das ist eines der wohl bekanntesten Motive, die man aus dem Urlaub in Vietnam mitbringt. Einer der Orte, den jeder unbedingt sehen will. Wir haben uns aber entschieden, diese Bucht wegzulassen. Im Internet fanden wir ein Chaos an Anbietern und Bewertungen. Viele haben schlechte Erfahrungen gemacht oder die Ausflüge von Hanoi aus waren einfach zu stressig. Man wird von Ort zu Ort geschleust und ist am Ende nur müde. Den letzten Schubser gab uns ein amerikanisches Pärchen, welches sich lautstark mit unserem Hotelmitarbeiter in Hanoi gestritten hatte. Die beiden müssen wohl in das Unwetter gekommen sein, von dem wir später erfuhren, dass es so stark gewesen sei, dass sogar einer der Ausflugskutter kenterte. Dennoch wollten wir die beeindruckende Karstlandschaft nicht missen und zum Glück hat die Ha-Long-Bucht ganz in der Nähe eine kleine Schwester: Die Lan-Ha-Bucht. Wir entschlossen uns auf eigene Faust dahin zu fahren und vor Ort zu entscheiden, welchen Anbieter wir nehmen und wann wir diesen in Anspruch nehmen.

Sonnenuntergang in Cat Ba

Vor unserer ersten Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln – Bus, Schnellboot, Bus – waren wir ganz schön aufgeregt. Von einem seltsamen Zwischenstopp, bei dem das Busunternehmen uns an der Straße zurückließ und auf einmal kurz mit unserem Gepäck verschwand um wer-weiß-was zu machen (wahrscheinlich nur den Bus wechseln oder tanken), abgesehen, verlief die Fahrt aber relativ reibungslos. Für die etwa  160 km benötigten wir allerdings 6 Stunden. Woran wir uns aber bald gewöhnen würden. Unser Ziel war das kleine Örtchen Cat Ba auf der gleichnamigen Ferieninsel. Die Unterkunft war bereits gebucht und hielt gleich zu Beginn ein paar kleine Überraschungen für uns parat. Nicht nur, dass durch besagten Sturm in den Tagen zuvor Regenwasser durch das Gemäuer auf unser Bett tropfte, nein, Laura wurde am ersten Morgen im Bad außerdem von einer Kakerlake begrüßt, die aus dem Papierkorb kroch. Wunderbar! Das Hostel an sich und die Inhaberfamilie sowie ihr lieber und ständig müder Hund, der gerne vor unserer Tür schlief, fanden wir aber ansonsten ziemlich nett und beschlossen einfach abzuwarten. Das Tropfen versiegte und die Kakerlake, die ich nach einem harten Kampf das Klo runterspülte, ließ sich auch nicht mehr blicken (hätte mal einer sagen können, dass die Biester fliegen können). Außerdem wollten wir den Blick von unserem eigenen Balkon auf das Fischrestaurant gegenüber in den nächsten Tagen keinesfalls missen. Von da aus konnte man nämlich genüsslich beobachten, wie Gruppen von Vietnamesen während der Nahrungsmittelaufnahme ein so enormes Chaos anrichteten, dass danach etwa fünf Angestellte minutenlang damit beschäftigt waren, den Saustall wieder aufzuräumen. Danach begann das Zeremon von vorn. Es war köstlich – augenscheinlich für beide Seiten.

Mittagspause

Cat Ba war voller Touristen, mit dem Unterschied, dass hier fast ausnahmslos Vietnamesen waren. Das schien uns auch relativ logisch, denn in ein paar Tagen sollte der Nationalfeiertag stattfinden. Wir waren schon gespannt, was dann wohl passieren mag: Feuerwerk oder Paraden vielleicht? Als es dann soweit war, war die Verwunderung groß. Der Ort war auf einmal fast leer und es geschah genau nichts. Außer das wir uns an dem tollen Strand, der am Tag zuvor noch brechend voll und mit Discomusik beschallt war, nun allein vergnügen durften. Es gibt wahrlich schlimmeres. Das Wasser war so unglaublich warm, man konnte sich einfach hineinfallen und treiben lassen. Ansonsten bot die Stadt das gesamte touristische Spektrum: Straßenmaseure, Lachgas für einen Dollar, Restaurants auf großen Flößen im Meer und jede Menge gutes Essen. Wir entdeckten all die unglaublich guten Beilagen für uns, von denen wir meist 3-4 verschiedene bestellten und zusammen mit Reis verputzten. Später fanden wir heraus, dass es die Vietnamesen oft genauso machen. Auch unser Umgang mit den Stäbchen wurde von Tag zu Tag sicherer.

Alleine am Strand von Cat Ba

Neben all diesen alltäglichen Vergnügungen bot die Stadt aber auch noch ein gutes Angebot an Outdoorunternehmungen. Als erstes wollten wir die Landschaft zu Fuß erkunden und entschieden uns daher für eine geführte Dschungelwanderung. Unser Guide war im Dorf Lien Minh auf der Insel aufgewachsen an und wir waren für diesen Tag seine einzigen Gäste. Toan konnte relativ gut englisch sprechen und nach einer kurzen Vorstellung ging es auch schon los. Vorbei an den Grundstücken der Nachbarn, jeder Menge Hühner, Ingwer- und Reisfeldern immer auf einen der riesigen Karstfelsen zu. Dort begann der Dschungel, ein kleiner Pfad führte den steilen Berg hinauf. Immer wieder blieb Toan stehen um uns irgendetwas zu zeigen. Als erstes trafen wir auf Stabheuschrecken, dann auf eine große Echse, welche schnell verschwand, als sie uns bemerkte und immer wieder verschiedene Pflanzen, die entweder zum Kochen oder zu medizinischen Zwecken benutzt werden können. Die Umgebung war für uns völlig ungewohnt, die Pflanzen, die Tiere und ganz besonders das Klima. Schon nach wenigen Minuten waren wir vor Anstrengung völlig nass geschwitzt und so außer Atem, dass wir immer wieder kurz stehen bleiben mussten. Unser Guide hingegen sprang flink wie ein Wiesel die Kletterpassagen hinauf.

Stabheuschrecke

Am Gipfel angekommen genehmigte er sich lediglich einen Schluck Tee, während wir schon eine ganze Flasche Wasser geleert hatten. Während wir oben zwischen den von der Witterung messerscharf geformten Felsen rasteten, zeigte uns Toan, wie man sich mit den Früchten der Natur die Zeit vertreiben kann. Es handelte sich um eine bohnenähnliche Pflanze, welche richtig geworfen wie ein Frisbee durch die Luft gleitet. Meine Versuche blieben allerdings eher verbesserungswürdig. Schon währenddessen rumpelte es hin und wieder verdächtig am Himmel und eben als wir weitergehen wollten, fing es an wie aus Eimern zu schütten. Blitze zuckten am dunklen Himmel. Binnen weniger Sekunden waren wir komplett pitschenass. Das Wandern wurde durch diesen Umstand aber glücklicherweise etwas angenehmer. Hier und da mussten wir wegen der scharfen Felsen aufpassen. „Hier BITTE nicht hinfallen!“, waren die Worte unseres Guides und wir hielten uns besser daran, da es uns wohl sonst in mehrere Teile zerschnitten hätte. Vorbei an tellergroßen Spinnen, Krebsen, Fröschen, den seltsamsten Schnecken und riesigen Schmetterlingen kamen wir nach schätzungsweise nur 4-5km wieder am Haus von Toan im Dorf an. Angefühlt hat sich das Ganze aber wie die härteste Wanderung, die wir je gemacht haben, der Muskelkater unseres Lebens würde uns die nächsten beiden Tage daran erinnern. Mittlerweile hatte es wieder aufgehört zu regnen und wir saßen nun in Toans Wohnzimmer, welches nach drei Seiten hin offen ist. Ein großes Bett stand darin, ein Kühlschrank, eine selbstgebaute Bar, ein großer Fernseher und über allem wachte ein Portrait von Onkel Ho. Während wir auf das Essen warteten, schauten wir mit seinem Sohn Tom & Jerry und graulten seine beiden Hunde, die einen immer wieder treuherzig anschauten, wenn man damit aufhörte. Die Mutter unseres Guides servierte Reis mit leckeren Beilagen, etwa mit Kräutern gefülltes Omelette. Es war köstlich. Danach wurden wir mittels unserer ersten Rollerfahrt zurück in die Stadt gebracht.

Im Dschungel

Aufgrund unserer schmerzenden Gliedmaßen entschieden wir uns den Aufenthalt in Cat Ba um einen Tag zu verlängern und die geplante Kajaktour zu verschieben, denn auch diese versprach einiges an körperlicher Ertüchtigung. Wir starteten mit einer ganzen Gruppe weiterer Teilnehmer früh am Morgen mit einem Kutter in Richtung Lan-Ha-Bucht. Wir durften auf das obere Deck und konnten so die Umgebung im Panorama an uns vorbeiziehen lassen. Schwimmende Dörfer, die ersehnten Karstfelsen, aber leider auch jede Menge Müll. Das ist ein Punkt, der einem oft ein bisschen die Schönheit dieser Landschaft trübt. Wie alle südostasiatischen Länder ist auch Vietnam ohne viel Vorbereitung mit Anlauf in die Marktwirtschaft geschlittert. Der Umgang mit Abfall ist dabei leider etwas auf der Strecke geblieben. In manchen Buchten schwimmt begünstigt durch Wind und Strömung jede Menge Unrat herum. Aber ein Umdenken findet statt. Im Büro von Asiaoutdoors, unserem Touranbieter, hängt ein Schild mit der Aufschrift: „Be the solution, not the pollution!“ Hoffentlich spricht es sich herum. An einem schwimmendem Restaurant trennten sich die Wege einiger der Teilnehmer, die eine Hälfte ging zum Deepwater-Solo – klettern ohne Sicherung, wer fällt, fällt oder besser noch springt ins Wasser – und wir starteten unsere Kajaktour durch die Bucht. Es folgte eine kurze Einweisung, man solle nicht zu nahe an die schwimmenden Dörfer heranrudern, da sonst die Wachhunde ins Wasser springen und das Boot umwerfen. Danach schauten wir noch kurz den Kletterern zu, was auch nach einer Menge Spaß aussah. Unser erstes Ziel war dann ein Meerwasserbecken umgeben von Felsen, welches wir durch einen Höhlenzugang erreichten. Wir sprangen vom Kajak in das warme Wasser, ließen uns treiben und unterhielten uns mit den anderen Teilnehmern: Australier, Amerikaner, ein Spanier und ein älteres deutsches Pärchen. An den Felskanten ging es weiter zu einsamen Buchten und zum Mittagessen zurück zu unserem Kutter. Es gab – wer hätte es geahnt – Reis mit leckeren Beilagen und Bier. Zum Verdauen legten wir uns auf das Oberdeck, sprangen vom Boot in das tiefblaue Wasser und genossen das großartige Wetter.

Kanutrip in der Lan Ha Bucht

Danach fuhren wir noch ein bisschen weiter in die Bucht und erkundeten weitere Felsen, stille Buchten, Felstunnel und sahen sogar wackelnde Baumwipfel, durch die eine seltene, hier heimische Affenart turnt. Zum Abschluss hielten wir an einem kleinen Strand, robbten durch eine klitzekleine Höhle, schwammen vom einem Strand zum anderen, wanderten barfuß durch einen kleinen Dschungel, um dann durch eine weitere kleine Höhle zum nächsten Strand zu kommen. Von dortaus schwammen wir zurück zu den Kajaks. Phänomenal! Auf der Rückfahrt im Abendlicht sahen wir die Affen dann sogar noch richtig, kurz bevor wir den heimischen Hafen erreichten. Wir können uns keine schönere Art vorstellen, die Region zu erkunden. Geschafft und mit Sonnenbrand kamen wir zu unserem Hostel. Das Feierabendbier hatten wir uns redlich verdient.

(Vietnam, Cat Ba, 30. August bis 4. September 2014)
von Christoph

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0 Comments on “Cat Ba, kleine Schwester von Ha Long

  1. Endlich hab ich ein paar minuten zeit gefunden um eure neusten abenteuer zu lesen! Wunderbar! Ganz großes kino war die fliegende kakerlake.. 😉 hahaha ich hass die viecher auch wie die pest. lg reni

    • Pfft. Wusstest du vorher, dass die fliegen können? Ich dachte, das sind Käfer. Und die kam einfach da raus, wenige Zentimeter vor mir! In Australien haben wir inzwischen aber mehr davon gesehen, nur kleiner…

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