In der Küche Vietnams

„Ein Tag reicht völlig aus“, sagt der Russe, der neben mir im Frisörgeschaft sitzt und sich seine ohnehin nur wenige Millimeter langen Haare nachschneiden lassen möchte, über Nha Trang. Tatsächlich scheint dieser Ort ein beliebtes Ausflugsziel russischer Touristen zu sein. Wirklich alle Geschäfte und Restaurants in der Innenstadt werden sowohl auf vietnamesisch als auch russisch beworben. Etwas irritiert waren wir das erste Mal, als der übliche Promoter eines Restaurants uns auf Russisch seine italienischen Pizzen empfahl. Nha Trang ist eine Ferienhochburg und aus diesem Grund ist es auch nicht gerade eine Perle. Sterile Hotelhochhäuser, an jeder Ecke werden einem Drogen angeboten und zur Hochsaison ist der Strand wahrscheinlich brechend voll – aber an sich sehr schön. Dennoch hat die Stadt viel zu bieten: Erlebnissparks, Spa, Schnorchelausflüge oder alte Tempel, es gibt jede Menge zu erleben. Auch für uns war etwas dabei. Schon seid Beginn unseres Vietnambesuchs wollte ich unbedingt einen Kochkurs besuchen. Die gibt es überall im Land, sie sind günstig und man bekommt einen Einblick in die landestypische Küche. Ich freute mich wie ein Schnitzel, dass es am Ende doch noch klappen würde.
_MG_9062Auf der Speisekarte standen Reispapier-Frühlingsrollen (Goi Cuon), ein Clay-Pot mit Huhn oder Tofu (Kho To) und ein Bananen- bzw. Mango-Flambé mit Eis. Schon der Gedanke an das Menü ließ uns das Wasser im Munde zusammenlaufen. Aber bevor wir das Messer in die Hand nehmen durften, ging es erst einmal auf den Markt, um all die dafür notwendigen Zutaten zu besorgen. Als Transportmittel dienten uns Tuk-Tuks, was die Liste der Fahrzeuge, die wir in Vietnam benutzen durften, vollständig machte. Auf dem Markt bekamen wir von der Köchin des Lanterns einen Crashkurs in Sachen Markteinkauf. Wir erfuhren, worauf man beim Gemüsekauf achtet, dass uns das Kraut namens Fish-Leaf überhaupt nicht schmeckt, welche verschiedenen Arten von Reisnudeln und -papier es gibt und nebenbei durften wir süßen Bambussaft aus der Plastiktüte schlürfen. Außerdem zeigte sie uns hier und da Gemüse- und Obstsorten, die so exotisch waren, dass wir alle schon wieder vergessen haben.
IMG_6296Zurück im Lanterns durften wir uns nun die Schürzen anlegen. Zuerst wurde kräftig Gemüse geschnibbelt für die Frühlingsrollen und den Clay-Pot, was ich als würzig-scharfen Gemüse-Fleisch-Topf beschreiben würde. Was ich an diesem Kurs besonders gut fand, war das wir alles selbst machen durften und jeder nach Geschmack sein eigenes Gericht zaubern konnte. Ob Huhn, Rind, Schwein oder Tofu, alles durfte verwendet werden. Sogar die Verziehrung wurde uns überlassen, was meinem Gericht allerdings nicht sonderlich zuträglich war. Nach den Frühlingsrollen und dem Clay-Pot waren wir schon bündig gefüllt, doch nun stand das Flambé an. Bei diesen ohnehin hohen Temperaturen flambieren versprach eine heiße Angelegenheit zu werden. Es war eine kulinarische Explosion. Wir freuen uns auf jedenfall riesig, das Gelernte zuhause nachzukochen. Satt wie selten und mit einem kleinem Rezeptbuch sowie Kochlöffel und asiatischem Reibe-, Verzier- und Schäl-Werkzeug als Mitbringsel verließen wir das Lanterns und fragten uns, wie wir die Zeit bis zur nächsten Fahrt mit dem Nachtzug überbrücken. Also warum nicht zum Frisör gehen. Unsere nette Hotelangestellte empfahl uns ein Geschäft in der Stadt. Mein Frisör hat wahrscheinlich selten zuvor einen Kunden mit derartig zugewachsenem Gesicht bedient. Seine Mühen, meinen Bart zu bändigen, waren aber aller Ehre wert. Mit unserem neuen asiatisch-europäischen Look entspannten wir uns den Rest des Tages am Strand von Na Trang, bevor wir am späten Abend den Zug Richtung Saigon betraten.

trang2(Na Trang, Vietnam, 19. bis 20. September 2014)

von Christoph

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3 Comments on “In der Küche Vietnams

  1. Hui, den Flammentrick wollen wir dann aber auch irgendwann sehen (und das Ergebnis kosten!) 😉

    • Da stimme ich Ines zu. Leider werden wir darauf wohl noch etwas warten müssen. Aber wir können ja schon mal ausknobeln, in welche Küche wir gehen. 🙂

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