Saigon: Letzte Station!

Die Soft-Sleeper-Abteile im Zug nach Saigon waren überhaupt gar nicht so soft. Da der Preis für diese Klasse diesmal recht günstig war, wollten wir das nämlich mal ausprobieren. Wir haben zwar recht gut geschlafen, aber das nächste Mal würden wir wieder die Hard-Sleeper nehmen, dort kommt man auch besser mit jemandem ins Gespräch. In Saigon angekommen, trafen wir auf einen jungen Deutschen, dessen Namen wir hier nicht nennen wollen und ihn deshalb aus datenschutzrechtlichen Gründen einfach Pascal taufen werden. Der Kerl will nämlich Pädagoge werden und hat uns den ganzen Vormittag mit seinen haarsträubenden Geschichten erhellt. Von Kneipenschlägerei über Verkehrsunfall bis hin zu bewaffneten Polizisten, die ihm ans Leder wollten, war alles dabei. Pascal hatte nämlich ein erstaunlich gutes Händchen dafür bewiesen, wegen des Konsums von Drogen in Schwierigkeiten zu geraten, weswegen wir aus erster Hand sagen können, man sollte tatsächlich in asiatischen Ländern die Finger davon lassen. Besagte Polizisten brachten ihn zwar glücklicherweise nicht ins Gefängnis, aber einige hundert Euro haben die Jungs bei der Aktion verloren. Genauso wie es sich als schlechte Entscheidung entpuppte, einem Dealer mit nach Hause zu folgen und mit ihm zu konsumieren, da Pascal am nächsten Tag feststellte, dass er beraubt wurde, ohne es bemerkt zu haben. Zum Glück hat er aber alles mehr oder weniger heil überstanden und wir konnten über all seine Geschichten zusammen lachen und staunen, was in mir persönlich die Frage aufwarf, ob wir nicht Drogen nehmen sollten, damit unser Blog ein wenig spannender wird… Keine Sorge liebe Eltern, wir haben uns natürlich dagegen entschieden.
_MG_9205In Saigon wurden wir das erste Mal offen mit dem Thema Kriminalität konfrontiert. Pascal erwähnte bereits, man solle in bestimmten Straßen auf Motorraddiebe aufpassen, danach war es die Gastmutter unseres Hostels, die davor warnte, unsere Taschen außer Acht zu lassen. Diese Warnungen folgten uns auf Schritt und Tritt. Man solle nur das nötigste mitnehmen, auf keinen Fall Kreditkarten oder Pässe! Frauen sollen ihr Geld im BH verstecken, und wenn einem jemand gefährlich nah kommt, soll man schreien! Wie bitte? Ich wäre zum Kuckuck in Hanoi aus dem Schreien gar nicht mehr rausgekommen, hätte ich diese Regel befolgt. Alles in allem kam es uns ein wenig übertrieben vor, tatsächlich soll Saigon aber ein Problem mit vielen armen Menschen von außerhalb haben, die in die Stadt kommen, um sich etwas dazuzuverdienen.

Mit der harmloseren Sorte von Gaunern bekamen wir es zu tun, als wir gerade mit Pascal durch die Gassen des Backpackerviertels schlenderten. Bereits in anderen Städten wurde uns von Leuten auf der Straße angeboten, unsere Schuhe reparieren zu lassen. Da meine Schuhe mittlerweile recht mitgenommen aussahen, sagte ich zu. Natürlich wollte ich erst einmal wissen, wie viel er denn dafür haben möchte: 40.000 Dong, das ist ok. Auf einmal kamen nun drei weitere Schuhrestaurateure dazu, ich stand auf einmal barfuß da und auch Lauras Schuhe wurden nun geputzt und geklebt. Auf die Frage hin, was das denn zusammen kosten soll, wurde uns diesmal gesagt, es wäre uns überlassen. Mir schwante schon, dass das nicht ganz stimmt. Am Ende wurde hier und da noch etwas geflickt, neue Sohlen aufgeklebt, geputzt und gewaschen. Schlussendlich wollte jeder der vier Banausen etwa 400.000 Dong für seine Arbeit bekommen. Ich lachte und fing leicht an zu schwitzen! Nach längerer Diskussion bezahlten wir dann insgesamt rund 300.000 (etwa 10 Euro). Eigentlich immer noch viel zu viel. Meine Schuhe sind mittlerweile wieder kaputt, nur die Naht an einem Riss war saubere Arbeit.
_MG_9136Den Abend verbrachten wir bei Bier und gutem Essen auf dem Hochhausdach eines anderen Hostels, welches uns von Pascal empfohlen wurde. Laura ist in diesem Moment auf den Geschmack dieser Skydecks gekommen und hat uns für den nächsten Tag ein noch schöneres Restaurant mit noch besserer Sicht herausgesucht. Ansonsten haben wir die letzten Tage in Saigon eher ruhig angehen lassen. Als wir am ersten Abend in unser Hostel zurückkamen, war zufällig gerade Freibiertag. Zusammen mit all den anderen Backpackern quatschten und tranken wir bis tief in die Nacht hinein. Mittlerweile stieg die Aufregung auf unser nächstes großes Abenteuer in Australien und den letzten Abend in Vietnam wollten wir genauso begehen wie den ersten: Mit einem leckeren Hot-Pot. Bei unserem ersten Essen dieser Art saß ich noch ziemlich unsicher auf den kleinen Plastikstühlen zwischen all dem Dreck in Hanoi und war völlig überfordert mit der Situation, den ganzen Sachen auf unserem Tisch und dem Chaos um uns herum. Im Nachhinein kann ich darüber lachen, dass mich damals ein jähes Fluchtgefühl überkam und würde diese erste Mahlzeit in Vietnam als die beste überhaupt bezeichnen. Auf der Toilette des Restaurants in Saigon schaute mich ein Vietnamese lächelnd an, ich war etwas irritiert und auf einmal fragte er mich, ob ich glücklich bin!? Der Moment am letzten Abend, bei dem man beim Pinkeln gefragt wird, ob man glücklich ist: Unbezahlbar!

_MG_9290(Saigon, Vietnam, 21. bis 23. September 2014)

von Christoph

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