The Sound of Victory

„I keep telling people that there are more things to the racetrack than horses.“ (Charles Bukowski)

Ceduna ist eine winzige Kleinstadt: 2300 Einwohner, eine Drogerie, ein Pizzaladen, zwei Supermärkte, ein Bottleshop, ein Hotel, ein bisschen Industrie, eine Touristeninformation. Und den Ceduna Racing Club. Das jährliche Pferderennen zur Weihnachtszeit ist das Event der Stadt, letzte Enklave vor der ewigen, stadtlosen Nullarbor Plain. Die ansässigen Firmen buchen Pavillons, bringen Snacks und Sekt mit. Drinnen gibt es Würstchen, Kuchen und Chips. Die Männer tragen Anzüge, später krempeln sie die Ärmel hoch. Die Frauen zeigen ihr neuestes Kleid samt fancy Haarschmuck und kichern nach ein paar Stunden betrunken in der Kloschlange. Und dann gibt es noch die Pferde, vor dem Rennen mehr oder weniger nervös herumtänzelnd. Die Jockeys, manche sehr jung, fast noch Kinder, und den Moderator, ein bekanntes Gesicht im Pferdesport. Die zum Wetten gekommen sind, haben eine zusammengefaltete Zeitung unterm Arm und starren ernst auf die Ankündigungstafeln hinter den Buchmachern. Später kommt der Weihnachtsmann, sitzt auf dem Anhänger hinter einem Jeep und verteilt Süßes an die Kinder. Die zweitälteste Teilnehmerin gewinnt den Schönheitscontest und ich 35 Dollar im letzten Rennen – ich hatte auf das Pferd mit der Nummer 7 gesetzt, „The Sound of Victory“.

Xmas Race Ceduna 2014 from Laura la Kous on Vimeo.

Es war am Nikolaustag 2014: Zwei Tage bevor wir das Reisen fürs Arbeiten aufgeben, die Zivilisation gegen das Outback tauschen würden und der Tag des Weihnachtspferderennens in Ceduna. Viele Australier sind verrückt danach – so sehr, dass am Tag des Melbourne Cups, dem wichtigsten Rennen Australiens, vielerorts ein öffentlicher Feiertag ist. Nicht umsont „The race that stops a nation“ genannt. Zwei Pferde starben dort beim letzten Wettkampf, und zurecht ist ein Sport, der das mit sich bringt, kritisch zu sehen. Nichtsdestotrotz wollten wir die Chance nutzen, diesen Nationalsport und seine Fans aus eigenen Augen zu sehen. Dank einem Pärchen aus Perth mit Melbourne-Cup-Erfahrung haben wir zumindest den Ablauf verstanden und uns als einzige Touristen nicht so fehl am Platz gefühlt. Charles Bukowski wäre bestimmt stolz auf meine gewonnene Wette – das Pferd schien mir nicht zu verrückt, nicht zu aufgeregt, aber munter. „Common sense“ nannte er eine seiner Strategien beim Wetten. Inwieweit er allerdings recht hat mit folgender Beschreibung des Publikums bei Pferderennen, könnt ihr anhand unserer Fotos selbst entscheiden.

„…and there I was on the track on a Sunday, it was hot. everybody was there. the killers, the lovers, the fools. the brother of Jesus Christ. the uncle of Mickey Mouse…“

(Australien, Ceduna, 6. Dezember 2014)

von Laura

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