Unser Outback-Zuhause

Wir hatten zugesagt, drei Monate in Border Village zu bleiben. Aber wenn es uns nicht gefällt, würden wir einfach weiterziehen, hatten wir miteinander vereinbart. Am Ende sind es nun 5,5 Monate geworden, die wir in der Mitte vom Nirgendwo gelebt und gearbeitet haben. Während ich diese Zeilen schreibe, ist mein letzter Arbeitstag nur noch eine Stunde entfernt. Morgen werden wir anfangen unser Auto zu packen, unsere kleine Wohnung aufzuräumen, am Montag Pizza backen und Abschied feiern und dann schließlich weiterreisen – mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Arbeit ist Arbeit…

All denen, die meinen, wir erleben ja nur tolle Dinge, sei gesagt, dass natürlich nicht immer alles Spaß gemacht hat. Natürlich hatten wir manchmal keine Lust zu arbeiten und einmal lagen wir auch mit Fieber und Magen-Darm-Virus im Bett. Auch in Australien beschweren sich die Kollegen teilweise über alles und jeden und manchmal gefiel auch uns nicht, wie verschiedene Dinge gehandhabt werden. Und egal wo man ist, fliegen überall freche kleine flinke Fliegen rum! Ganz gewöhnliches Arbeitsleben also. Unsere Aufgaben haben wir aber meistens gerne erfüllt, auch wenn teilweise ganz besondere Perlen dabei waren. Laura musste zum Beispiel am 24. Dezember Klobürsten putzen und desinfizieren – oh du Fröhliche. Manchmal findet man auch beim Saubermachen der Motelräume haarsträubende Dinge vor: Meine allererste Dusche war vollgepinkelt, manchmal ist das komplette Zimmer voller Essensreste, aus der Bettwäsche oder den Vorhängen klettern handtellergroße Spinnen, jemand hat etwas in der Mikrowelle zum Explodieren gebracht und einmal fand ich in einem der Betten eine Hinterlassenschaft der besonders widerlichen Art. Manchmal hatten auch die Truckies einen schlechten Tag, und dann grummeln sie einen an, obwohl man immer versucht so freundlich wie möglich zu sein. Die mit Abstand seltsamste Aufgabe war aber sicherlich die Müllverbrennung. Da steht man vor einem großen Loch mitten in einem Nationalpark und schmeißt eine komplette Wagenladung mit Plastiktüten, Glasflaschen, Metalldosen und Essensresten hinein und zündet sie an. Während man dann dem brennenden Haufen zusieht, hört man auf sich darüber zu wundern, warum das Ozonloch genau über Australien liegt. Und sollte man in den Flammen eine Dose Fliegenvernichtungsmittel erspähen, verdoppelt man am besten sofort seinen Abstand.

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Zu den Dingen, an die ich mich aber gerne erinnere, gehören Momente wie der Morgen, an dem ich die Scheibe meines Arbeitsautos zertrümmern sollte, weil die Tür nicht mehr aufging – es hat dem Aussehen der alten Schrottkarre nicht wirklich geschadet. Oder die vielen tollen Gegenstände, die man ebenfalls findet, wenn man Motelräume putzt: Geld, Wein, eiskalte Getränke, Vögel – Sachen des täglichen Bedarfs eben. Lachen muss ich auch immer noch über das nackte ältere Pärchen, welches ich einmal ausversehen in einem der Zimmer vorfand – peinlich! Oder die vielen Geschichten, die einem die Truckies erzählen. Von platzenden Reifen bei über 40°C oder dem Spaß daran, nachts Kängurus platt zu fahren. Na gut… da weiß man manchmal nicht, ob man lachen oder weinen soll. Oder die Reaktionen der Touristen auf die verwirrenden Zeitumstellungen oder die schier unendliche Entfernung zum nächsten McDonalds – wie kann man als Australier die Nullarbor durchkreuzen und nicht wissen, dass diese Straße lang ist? – sehr sehr lang.

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Außerdem durften wir uns auf etlichen „Ich habe die Nullarbor durchquert“-Zertifikaten verewigen. Die nämlich konnte man bei uns kaufen und eine unserer Aufgaben war es, diese zu unterschreiben! Mit vielen Touristen konnte man aber auch nett schwatzen und dabei viele Tipps für die Weiterreise aufschnappen. Auch das ständige Rätselraten der Leute über unseren Dialekt war sehr amüsant. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich für einen Iren gehalten wurde. Ich bin mir aber immer noch nicht sicher, was mir das sagen soll: Dass mein Englisch besser ist als ich dachte, oder das der Iren besonders schlecht. Spannend wird es außerdem, wenn der Koch während der Arbeit mit dem Spaten in den Garten des Chefs eilt, um eine giftige Schlange zu erlegen. Oder die Kollegen eine Baby Brown Snake eingefangen haben und sie nun stolz jedem zeigen, der die Küche betritt. Oder wenn der Manager einen Benzindieb mit seinem Jeep verfolgt und von der Straße rammt. Auch das australische Klima macht manche Tage einfach zu einem außergewöhnlichen Erlebnis. So zum Beispiel der Sandsturm bei 48°C, als sich der heiße Wind wie praller Sonnenschein auf der Haut anfühlte. Am Ende war es aber nicht die Arbeit, die diesen Ort zu einer Art Zuhause gemacht hat, sondern die Gesellschaft.

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…und Schnaps ist Schnaps

In einem Ort mit nur – je nach Besetzung – rund 15 Leuten zu leben, konnte ich mir nie vorstellen. Ich wollte immer in Städten wie Berlin oder Hamburg wohnen. Anonym sein, wenn ich es möchte. Eine Menge interessante Menschen treffen. Immer in andere Kneipen, Cafés und zu Veranstaltungen gehen können. In Melbourne dachte ich noch, wir könnten dort bleiben zum Arbeiten und würden eine gute Zeit haben. Das wäre sicher auch so gewesen, aber jetzt wissen wir, dass wir das echte Australien erst hier kennengelernt haben – dank den einzigartigen Menschen, die wir in unserem Roadhouse kennenlernen sollten. Den Nachtschichtmenschen, dessen Frau in Bali gerade ihr drittes Kind erwartet und der lange in East Timor gearbeitet hat, nun aber schon seit 12 Jahren auf dem Eyre Highway lebt und arbeitet. „Einmal auf dem Highway, immer auf dem Highway“, ist auch das Motto von Lisa, die als Köchin auf Schaffarmen und in anderen Roadhäusern gearbeitet hat, bevor sie ein Kind bekommen hat – Saskia, die wir laufen und sprechen lernen sehen sollten, und die uns immer lustige kleine Besuche abgestattet hat. Und dann sind da noch die beiden ehemaligen Fischer, beste Freunde, die gemeinsam Haie gejagt haben und nun in der Nähe ihres Ozeans auf dem Land zuhause sind – der eine als Yardi und Familienpapa, der andere als Hausmeister und bester Gastgeber von Welt. Der Koch, der wahrscheinlich immer getrieben durch Australien ziehen wird, aber den es aus irgendwelchen Gründen auch immer wieder hierher verschlägt und der mein bester Kumpel werden sollte. Und eine ganze Menge Kiwis, meistens Maoris, die seit Jahren in Australien leben und arbeiten und teilweise mehr von diesem Kontinent gesehen haben als manche Australier selbst.

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Auch mit manchen Truckies oder Touristen haben wir lange, tolle Gespräche geführt, sind nach Perth, Indien und New York eingeladen worden, haben uns, trotz unserer unterschiedlichen Herkunft köstlich über die selben Dinge amüsiert. In Erinnerung ist mir ein Schafscherer etwa unseren Alters, der eine Zeit lang in Deutschland gearbeitet hat und es schrecklich fand – zu viele Menschen! „Du fährst 30 km und da leben 30.000 Leute und dann nochmal 30 km – wieder 30.000 Leute…“ Zurück in Australien ist er deshalb erstmal in die Wüste gefahren und konnte endlich wieder frei durchatmen. Was soll ich sagen – inzwischen kann ich ihn verstehen. Vor allem aber hat mir das Leben im Outback gezeigt, dass es eben etwas anderes ist, ob man sich nur montags bis freitags im Büro trifft oder ob die Kollegen auch diejenigen sind, mit denen man abends den Feierabend genießt, sich am nächsten Tag verkatert auf Arbeit wiedersieht, gemeinsam Ausflüge macht und auch noch besondere Feste zusammen feiert.

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Ich weiß nicht mehr genau, wie es losging. Die erste Woche war ich nämlich gelinde gesagt enttäuscht gewesen, dass jeder so ziemlich seins machte und man von den anderen nach der Arbeit nicht viel sah. Aber der Eindruck täuschte. Da ich meistens nachmittags arbeitete, traf ich vormittags meistens auf Lisa und schon bald hatte sie mir einen Bücherstapel und eine Leselampe ausgeliehen. Beim Auszug sollten wir ihr später einen ganzen großen Berg an nützlichen Dingen zurückgeben, mit denen sie uns Backpacker vorübergehend ausgestattet hatte. Dann in der zweiten Woche beschlossen wir zu fragen, wer abends Bock auf ein Bier hat – es sollte der erste von vielen lustigen Abenden werden. Und spätestens Weihnachten fühlten wir uns schon ganz zuhause. Die Vorweihnachtszeit war für uns alle sehr streßig gewesen – die Motelzimmer meistens ausgebucht, das Restaurant voll, wir jeden Abend verschwitzt und fertig. Doch pünktlich zum 24. wurde es ruhig. Die Jungs schmückten das Restaurant für unser Festessen am 25., ich putzte wie bereits erwähnt Klimaanlagen und Klobürsten – sie nannten es Frühjahrsputz – aber das Witzige daran war, dass mich meine Chefin währenddessen mit deutschen Lebkuchen fütterte und weil es endlich auch abends angenehm warm war, trafen wir uns spontan auf unserer Veranda, tranken und quatschten bis in die Nacht, während unsere Familien gerade erst mit dem Kaffeetrinken anfingen. Das erste Weihnachten ohne Familie, ohne das obligatorische Treffen mit Freunden und Mitschülern am 23. und ohne Schnee hatten wir auf keinen Fall alleine verbringen wollen – das war neben dem Geld einer der Gründe für uns gewesen, überhaupt Arbeit zu suchen. Und so kam es, dass pünktlich zum Weihnachtsmorgen ein Päckchen aus Deutschland auf uns wartete, alle in der Küche mit letzten Vorbereitungen beschäftigt waren und ich Linsen kochte – ein bisschen wie zuhause eben. Leider mussten einige Kollegen arbeiten, so dass nicht alle sich mit uns den Bauch vollschlagen konnten an Garnelensalat, Kartoffelgratin, Truthahn und eben erzgebirgischer Linsensuppe. Doch das Highlight des Tages sollte noch kommen: Rund 30 km entfernt liegt nämlich eine Höhle, die nicht nur atemberaubend groß ist, sondern auch über einen natürlichen Pool verfügt. Mel und Viktor erinnerten sich zum Glück an den Weg, sodass wir schließlich bei Räucherkerzchenduft im klarsten Wasser planschten, dass wir jemals gesehen hatten.

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Auch Sylvester [sic] wird mir definitiv in Erinnerung bleiben, auch wenn es mein erster Geburtstag ohne Feuerwerk war. Aber „Rumknallen“ bietet sich in einer Gegend mit hohem Feuerrisiko im australischen Sommer auch nicht gerade an. Stattdessen feierten wir ins neue Jahr mit Lagerfeuer, Musik, einer Truhe voller eiskalter Getränke und einem Erbeer-TimTam-Käsekuchen, mit dem mich unsere Kollegen überrascht hatten. Was will man mehr? Außerdem hatte mir unser Freund und Hausmeister am Morgen meinen ersten eigenen Stubbieholder geschenkt, und den braucht man unweigerlich, um in Australien Bier zu trinken. Ansonsten unterscheiden sich die Partys nicht viel von zu Hause, es wird viel getrunken und gequatscht bis gegen vier Uhr das Feuer langsam verglimmt und der harte Kern ins Bett geht. Der große Unterschied: Weil wir hier an der Grenze in unserer eigenen Zeitzone leben, haben wir mit nur etwa 100 Menschen auf der Welt zur gleichen Zeit das neue Jahr begrüßt.

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Im Januar ging die Urlaubszeit spürbar zu Ende, was uns einige streßige, dann aber auch sehr ruhige Tage bescherte. Zum Ende der Sommerferien stand uns noch ein merkwürdiger Feiertag ins Haus: Australia Day. Da er von den Aborigines Invasion Day genannt wird und dementsprechend umstritten ist, war uns nicht ganz klar, was wir davon halten sollen. Anders als der deutsche Nationalfeiertag wird der in Australien nämlich richtig gefeiert, mit Straßenfesten und Paraden. In unserem Niemandsland war es dann aber viel origineller und zum Glück weniger patriotisch. Wir alle und ein paar Fischer aus Eucla haben uns zum typischen australischen Barbeque getroffen – mit Roast, Damper (Brot aus dem Campingofen) und geröstetem Gemüse.

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Bei aller Feierei ist Border Village natürlich nicht das Paradies. Und nur weil ein bunt zusammengewürfelter Haufen zwangsweise zusammen lebt und arbeitet, müssen daraus nicht die besten Freunde werden. Aber ich weiß noch, wie ich um diese Zeit das kurze Hochgefühl hatte, in einer einzigartigen Gemeinschaft zu leben. Wir waren Atheisten, Mormonen, Christen und Muslime, Alte und Junge, Australier, Neuseeländer, Deutsche und einer aus Bangladesh (später auch noch Argentinier), Singles und Paare, und wir kamen alle gut miteinander aus. Die Kiwis feierten Australia Day mit und wir wiederum Waitangi Day, für den unsere Maori-Mädls ein gigantisches Cook-Off veranstalteten. Fischsalat! Abaloni! Krebse! Hangi-Töpfe! Und aus irgendeinem Grund Kuchen mit Pudding. Und weil wir kurz zuvor ein weiteres Päckchen aus der Heimat empfangen hatten, steuerten wir Lauterbacher bei. Der zugegeben geschmacklich etwas extreme Kräuterschnaps traf leider nicht den Geschmack vieler, aber was ein abgebrühter Fischer ist, weiß auch „german schnaps“ zu schätzen.

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Germans sind indes auf dem Highway keine Seltenheit. Eine Zeit lang gab es in den beiden Roadhäusern westlich von uns je einen deutschen Backpacker und in dem östlich von uns gleich zwei Pärchen, und auch wir waren anfangs zu viert gewesen. Anna und Jan aus Dresden, die wir ja am Uluru kennengelernt hatten, hatten kaum nach uns im Nullarbor Roadhouse angefangen. Als wir im Februar zum ersten Mal zwei Tage am Stück zusammen freibekamen, mussten wir natürlich die Zeit nutzen, um ihnen einen Besuch abzustatten. Die erste Nacht verbrachten wir noch an einem verlassenen Homestead auf halber Strecke. Dort unter der Milchstraße und umgeben von Akazien und weitem Grasland fühlten wir uns auch zum ersten Mal wieder wie Reisende.

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Bei Jan und Anna war die Umgebung wieder eine ganz andere: weit und weitgehend leer, dafür sieht man die Wombathöhlen zwischen den Büschen aufragen. Und eine Menge Höhlen gibt es rund um ihr Roadhouse zu entdecken – darunter eine, deren Existenz und Lage wohl nur den Einheimischen bekannt ist. Und das aus gutem Grund, da es in ihr mehrere mumifizierte Tiere und eine Tropfsteingrotte zu sehen gibt. Eben eine dieser Überraschungen, für die die Nullarbor gut ist. Und einen ganzen Abend lang mal wieder Deutsch zu sprechen und sich über die Arbeit aus dieser Sicht austauschen zu können, macht auch haushohes Verlieren im Billard wett. Später stattete ich den beiden noch einen Besuch ab, als ich mal eben zum Einkaufen nach Ceduna gefahren bin – 486 km hin und wieder zurück. Ein tolles Gefühl, im australischen Outback Freunde zu treffen, und sei es nur auf einen Kaffee. Auf dem Rückweg war ich aber froh, die Anzeichen von Zivilisation – Stromtrassen, Farmen, Handyempfang – schnell wieder hinter mir lassen zu können. Vor mir lag schließlich wieder nur die ewige Ebene, manchmal schimmerte links der Ozean auf und ich konnte es kaum erwarten, wieder nach Hause zu kommen.

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Hinterlandliebe

In den fast sechs Monaten in Border Village haben wir eine Menge Leute kommen und gehen sehen. Für manche ist die Arbeit im Roadhouse nichts, wo es manchmal sehr ruhig und manchmal sehr hektisch zugehen kann. Für manche ist die Abgeschiedenheit nichts, das Nicht-Einkaufen-Können, die hohen Outback-Preise, das Immer-am-selben-Ort-sein. Manche blieben lieber unter sich, für sie war die Gesellschaft einfach nichts. Der harte Kern aber ist geblieben oder wiedergekommen. Und das hat unseren Alltag hier so schön und interessant gemacht. Tagsüber konnte man gemütlich auf unserer Veranda in der Sonne sitzen und lesen oder schreiben (meine Lieblingsbeschäftigungen) und gelegentlich kam jemand zu einem Schwatz vorbei oder Lisa mit ihrer Tochter zum Wäsche aufhängen und spielen. Abends traf man sich mit dem einen oder anderen zum Abendbrot. Und nach getaner Arbeit endeten unsere Nächte meistens bei unserem Hausmeister, kaltem Bier, einem Film oder irgendwelchen Leckereien aus seinem Garten (Ja, wir wissen jetzt wie Ghostchilli schmeckt!). Dann lauschten wir seinen Seemannsgeschichten, aßen eine seiner leckeren Kreationen – dieser wunderbare Mensch hat die Angewohnheit, Essen im Kühlschrank vergammeln zu lassen, weil er ständig Bock hat, was Neues und immer viel zu viel zu kochen – und lachten über Sinnlosigkeiten, bis uns der Bauch weh tat.

Sieht harmlos aus, ist aber zigmal schlimmer als normale Chilli: Die Ghostchilli

Sieht harmlos aus, ist aber zigmal schlimmer als normale Chilli: Die Ghostchilli

An besonders schönen Nachmittagen lagen wir im Pool oder saßen einfach nur in der Sonne, manchmal fuhren wir zu den Kliffs 5km südlich von uns. An ganz besonderen Tagen versuchten wir uns im Schießen und Angeln – mehr oder minder erfolgreich. Wir saßen auf dem Rücksitz eines Pickups, den unser Hausmeister auf verborgenen Pfaden an einsame Küstenabschnitte lenkte, wo wir grillten und stundenlang im warmen Meer standen – Schwimmen fiel wegen der Haie buchstäblich ins Wasser. Oder wir fuhren an den Strand von Eucla, um auf Sanddünen zu klettern oder uns von den Fischern ihr nach einem Unfall gestrandetes, halb versunkenes Schiff zeigen zu lassen.

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Wenn man solange auf der Nullarbor ist wie wir, stellt man fest, dass der 1200km lange Eyre Highway zwischen Ceduna und Norseman wie ein Dorf ist. Mit festen Bestandteilen (den Menschen von den Farmen und Roadhäusern) und wechselnden (den Truckies, die auch als private Zulieferer fungieren, den Backpackern und den Fischern, die nur in der Saison zum Entladen der Boote vorbeikommen). Jeder kennt jeden und steht irgendwie in Kontakt, hilft sich gegenseitig und öffnet Türen für Freundesfreunde – und eine Zeit lang durften wir uns als Teil des Ganzen fühlen. Wir wissen jetzt aus eigener Erfahrung, dass ein Fremder nur ein Freund ist, mit dem man noch nicht gesprochen hat und dass hinter rauhen Fassaden richtig gute Kerle stecken können. Das ist der wahre Grund, warum wir uns in diesem Hinterland zuhause gefühlt haben.

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Es gäbe noch so viel mehr zu erzählen. Vom Licht und den Singvögeln in den Akazien vor unserem Häuschen. Von den orangenen Sonnenuntergängen. Davon, wie viel Spaß es macht, sich nachts betrunken Pommes und Kaffee aus dem Roadhouse zu holen. Davon, wie schön und albern es sein kann, mit Freunden zu arbeiten. Davon, wie die Cops uns auf dem Weg nach Eucla mal angehalten, aber nur gelacht haben, als sie uns erkannt haben. Davon, wie mir die Tage vor dem sicheren Abschied schwer gefallen sind, weil sie so voller letzter Male waren. Sich von Menschen, die man vielleicht nie oder extrem lange nicht wiedersehen kann, zu verabschieden, war deshalb die schwierigste Aufgabe in Border Village. Aber wir wissen, dass wir mit unseren Freunden in Deutschland nie mehr als einen Küchentisch brauchen, um den wir sitzen können, und alles ist wie immer. Und wir glauben, dass es auch mit diesen Freunden so sein wird.

Von Christoph und Laura

(Australien, Border Village, 8. Dezember 2014 bis 27. Mai 2015)

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3 Comments on “Unser Outback-Zuhause

  1. Mit solchen Mates kann man schon mal arbeiten. Sehr schön! Und feiern natürlich auch! Bis bald!

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