Das Goldene Outback

Der Südwesten Australiens ist im Gegensatz zu vielen anderen Regionen wieder etwas dichter besiedelt und deswegen gab es hier eine ganze Menge zu sehen. Wir entschieden uns einen wilden Zickzack-Kurs zu fahren, um keine der Highlights zu verpassen. Nach Esperance fuhren wir also erstmal wieder Richtung Norden ins Landesinnere in eine Gegend, die für ihre vielen und teils spektakulären Goldminen bekannt ist. Erster Haltepunkt war die kleine Stadt Norseman. Der Legende zufolge fand hier zu Zeiten des Goldrausches in Australien das Pferd eines Goldgräbers einen großen Nugget und somit eines der größten Vorkommen in der Region. Der Name des Pferdes war, wie sollte es anders sein: Norseman.

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Außerdem beginnt hier der Eyre Highway durch die Nullarbor, dem Ort, der uns im letzten halben Jahr zur zweiten Heimat geworden war. Sogar ein paar der Truckies in der hiesigen Tankstelle kamen uns bekannt vor.

Ein großes Loch…

Man stelle sich vor, man steht an der viertgrößten Goldmine der Welt, man ahnt nichts Böses und auf einmal wird man von einer monströsen Explosion überrascht.

_MG_2920Schon bevor wir unsere Arbeit in Border Village begonnen hatten, habe ich über den Super-Pit in Karlgoorlie gelesen. Auf unserer Fahrt dahin führten über hunderte Kilometer hinweg nach links und rechts Nebenstraßen zu anderen Minengebieten. Von oben betrachtet muss die Region wie ein Schweizer Käse aussehen. Nun läßt sich darüber streiten, ob das größte aller Löcher eine sinnvolle Touristenattraktion ist, denn der Eingriff in die Natur durch die Minenwirtschaft ist teils verheerend. Die Rohstoffe Australiens gehören zum Hauptexportgut und sind ein Grund für den Reichtum des Landes. Überall wird gebuddelt und gegraben, Koalas müssen umgesiedelt werden, riesige Gebiete fallen dem Kohleabbau zum Opfer und auch das Great Barrier Reef leidet unter dem regen Frachtschiffverkehr. Dennoch ist das Land zumindest zu einem großen Teil Stolz auf ihre Minen und der Super-Pit ist sozusagen die Krone der australischen Löcher. Und was soll ich sagen, steht man auf der Besucherplattform und schaut in das gigantische, über 300m tiefe Loch, kann man nur fasziniert sein, zu was die Menschheit in der Lage ist.

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Ich hatte natürlich den sehnlichen inneren Wunsch, das Treiben im Tagebau mittels einer extremen Langzeitbelichtung festzuhalten. An unserem zweiten Tag dort wurden wir dann prompt Zeugen der bereits erwähnten Explosion und der dazugehörigen Staubwolke. Die Lage des Aussichtspunktes, deren Öffnungszeiten, das Wetter und der Umstand, dass die je 80 Jungs unten im Tagebau 24 Stunden am Tag im Schichtsystem arbeiten müssen, spielte mir in die Karten. Am Abend würde ich den Versuch wagen. Den restlichen Tag hatten wir uns das historische Bergwerksmuseum angeschaut, versucht Gold zu waschen und Platz in einem der riesigen Minenfahrzeuge genommen und am Abend entstand dann ein Bild des Super-Pits über 90 Minuten, auf dem die Lichtspuren der unterschiedlichsten Fahrzeuge zu sehen sind, die die steilen Straßen des gigantischen Tagebaus hinauf- und hinunterkriechen.

SuperPit2-BearbeitetFür die abendliche Unterhaltung schließlich sorgte ein älterer Herr auf unserem Zeltplatz. Er arbeitete als Edelsteinverkäufer und wohnte während dieser Zeit in seinem kleinen Zelt und verbrachte seinen Feierabend damit, in der Campingküche Fernsehen zu schauen und mit den anderen Campern zu quatschen. Wir haben ja mittlerweile die unterschiedlichsten Charaktere kennenlernen dürfen. Manche Australier haben vielleicht aufgrund der Abgeschiedenheit amüsante und verschrobene Weltbilder zusammengebastelt. Dieser hatte eine spezielle Vorliebe für allerlei Verschwörungstheorien und so erfuhren wir einiges über die Mythen Australiens, den australischen Yeti, geheimnisvolle Lichter über dem Outback und aus dem Zoo ausgebrochene wilde afrikanische Tiere, die irgendwo im Zentrum Australiens noch ihr Unwesen treiben sollen. Zu köstlich!

Und ein kleines Loch…

Eher durch Zufall verschlug es uns nach Karlgoorlie auf dem Weg nach Hyden in eine weitere Minenstadt: nach Westonia. Die Bewertungen und Kommentare der Nutzer des Campingplatzes waren so nett und positiv, dass wir dem Örtchen spontan einen Besuch abstatten mussten. Westonia war nicht sehr viel mehr als ein Dorf mit nur einer Straße und einem kleinem, von der Gemeinde verwalteten Campingplatz gleich neben den Containerunterkünften der Minenarbeiter. Die Campinggebühren bezahlten wir im Gemeindezentrum und dort erfuhren wir auch von einer in nicht einmal 15 Minuten stattfindenden Sprengung im nahegelegenen Tagebau. Also nichts wie hin! Auf der Zufahrt wurden wir jedoch von einem der Mitarbeiter gestoppt, welcher uns mit den Worten „In etwa 10 Sekunden knallts!“ begrüßte. Wir waren also leider zu spät, aber wir hätten eh nicht auf die Aussichtsplattform gedurft, weil sie sich zu nah an der Sprengung befand. Am nächsten Vormittag schauten wir uns noch das kleine Museum der Gemeinde an, in dem, wie in Australien üblich, alles ausgestellt wurde, was man auf den umliegenden Dachkammern und Feldern finden konnte. Von benzinbetriebenen Bügeleisen, alten Klos, aus Schrott zusammengeschustertem Spielzeug bis hin zu alten Glasflaschen und verrosteten Farmwerkzeugen war alles zu finden. Der Charme australischer Kleinstadtmuseen ist schon etwas Besonderes.

_MG_2990Die perfekte Welle

Bevor wir zurück an die Küste Südwestaustraliens fahren wollten, stand noch eine besondere Laune der Natur auf dem Programm: Der Waverock. Eine eindrucksvolle Felsformation, welche wie eine riesige Welle anmutet. Der Campingplatz war zu unserer Freude nicht einmal 5 Minuten Fußmarsch vom Felsen entfernt, weswegen wir dem Waverock auch nachts einen kleinen Besuch abgestattet haben. Es ist immer wieder toll, die Wunder der Natur im Dunkeln für sich allein zu haben, zumal der Nachthimmel hier einfach fantastisch ist.

IMG_4329Der Waverock war lange Zeit eher unbekannt. Nachdem aber ein Foto des Felsens einen internationalen Wettbewerb gewann, wurde es zu einer der top Touristenattraktionen des Landes. Tausende von Menschen fotografieren sich nun die große steinerne Welle reitend. Was wir aber bis zu unserem Besuch nicht wussten, war, dass der große Felsen zur Gewinnung von Trinkwasser genutzt wird. Eine den gesamten Felsen umspannende Mauer leitet Regenwasser in ein großes Reservoir, was dem Anblick nicht wirklich zuträglich ist. Die Umgebung hat aber mehr als nur die steinerne Welle zu bieten.

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Entlang der Wanderwege kann man ausgetrocknete Salzseen und nicht weniger eindrucksvolle Felsformationen bestaunen. Außerdem befindet sich ein paar Kilometer entfernt die Mulga Cave. Ein natürlicher Unterschlupf, welcher über viele tausend Jahre von Aborigines genutzt wurde, die sich mit etlichen Handabdrücken auf den inneren Wänden verewigt haben. Schon auf unserem Weg nach Hyden hatte sich die karge, nur von Minengesellschaften genutzte Landschaft zu landwirtschaftlich genutzten Gegenden verändert. Auch auf unserem Weg zurück an die Küste sollten uns diese schier endlosen Felder unterbrochen von Salzseen begleiten.

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Von Christoph

(Australien, Karlgoorlie, Westonia, Hyden, 7. bis 11. Juni 2015)

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2 Comments on “Das Goldene Outback

  1. wir fühlen uns so in der zeit zurückversetzt. super tolle bilder. super toller text. wir haben fernweh!!!!!!!!!!! habt ihr eigentlich auch gold gefunden? und den bärtigen mann, könntet ihr den mitbringen? ich denke den könnte man immer abends rausholen und sich geschichten erzählen lassen. großartiger typ. liebste grüße sascha und reni

    • Ich hab’s versucht, aber beim Goldwaschen hatte ich leider kein Glück. Wie ihr inzwischen wisst, hättet ihr am Mann mit Bart wenig Freude, der wäre halt nicht sooo gesprächig 😛 Für die Geschichten sorgen wir dann! Drücker vom Lake Taupo!

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