Australia Day: (K)ein Grund zum Feiern?

Barbeques am Strand, perfekte Wellen zum Surfen, immer irgendwo Sommerwetter, moderne Großstädte und ewige Wildnis: Einen Tag im Jahr feiern, was das Leben in Australien so schön und besonders macht, ist nicht nur für Einheimische eine naheliegende Idee. Und verspricht mit Partys landauf, landab, mit Feuerwerken und Konzerten auch Touristen ein Erlebnis.

2015: Ein Anlass zum Feiern im Outback

Unser Australia Day vor einem Jahr auf der Nullarbor, mitten im Nichts und fern aller offizieller Feierei, hätte nicht besser sein können: Mit unseren Freunden, Kollegen, den Bauarbeitern der neuen Polizeistation und den Fischern aus dem Nachbarort saßen wir ums Lagerfeuer, aßen Braten und Damper (Brot aus dem Campingofen, gebacken im Feuer), Kürbis und Kartoffeln, tranken kaltes Bier und spielten Stöckchenwerfen mit den Hunden.

Später kamen unsere Manager dazu und brachten Holzscheite einer bestimmten Art mit, die das Feuer blau und grün aufleuchten ließen. Die Nacht war warm, der Himmel sternenklar, die Gesellschaft gut, der Anlass hätte für uns aber auch jeder andere sein können.

Ein Feiertag mit dunkler Vergangenheit

Der „Aussie Way of Life“ mag eine Feier wert sein, einen Prost aufs gute Leben – aber der Australia Day liegt an einem denkbar schlechtem Datum dafür. Und so verwunderte es uns nicht, dass unsere Maori-Kollegin nicht mitfeiern wollte. Denn der 26. Januar ist der Jahrestag der Landung der ersten Flotte von Schiffen, die aus England in Sydney ankamen, um den Kontinent zu besiedeln. Doch das war dieser 1788 bereits, und so nennen die First People, die Aborigines, den Tag auch Invasion Day. Für sie begann an diesem Datum die teilweise Ausrottung, Unterdrückung und Diskriminierung, die bis heute für heftige gesellschaftliche Probleme sorgt.

"Contact Art"(Kontaktkunst) im Kakadu Nationalpark: Mit der Ankunft der Schiffe aus Europa im 18. Jh. änderte sich das Leben der ersten Bewohner Australiens radikal.

„Contact Art“ (Kontaktkunst) im Kakadu Nationalpark: Mit der Ankunft der Schiffe aus Europa im 18. Jh. änderte sich das Leben der ersten Bewohner Australiens radikal.

So finden neben Partys im ganzen Land auch Protestveranstaltungen statt. Demonstrationen, die, so erzählten uns Kollegen, von den Massenmedien meistens ignoriert würden. Das lässt sich für die Vergangenheit nur schwer überprüfen, in diesem Jahr aber haben sie das Thema jedenfalls aufgegriffen. So berichtet ABC von Trauerfeiern und Demonstrationen in Sydney, Melbourne, Brisbane und Hobart (in Englisch). In Deutsch findet ihr hier einen Bericht vom MDR.

Ein paar Gedanken für Touristen

Für mich persönlich steht fest: So sehr ich Australien lieben gelernt habe – mit der Nationalflagge eine Parade zu besuchen, kommt für mich nicht infrage. Dafür ist der Tag historisch zu belastet. Auch als Reisender sollte man sich jedenfalls mit der Geschichte und der unterschiedlichen Bedeutung des Tages auseinandersetzen. Und überlegen, ob man die Praxis, die Gefühle von fast einer halben Million zu verletzen, unterstützen möchte. Denn mal ehrlich: Feuerwerk gucken kann man auch an Silvester, und Würstchen grillen und die australische Freiheit genießen auch an jedem anderen Tag.

PS: Inzwischen gibt es auch Diskussionen unter den Australiern (in Englisch), den Feiertag einfach komplett zu verlegen.

PPS: Wie seht ihr das? Habt ihr mitgefeiert oder den Tag ignoriert?

Von Laura

(Australien, 26. Januar 2015 und 2016)

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