Zuhause bei Freunden

Nach unserem Abstecher zum Uluru und mit ein paar Tagen Verspätung erreichten wir also den Campingplatz am Kings Canyon. Einem Ort, von dem uns jeder mit großer Begeisterung vorgeschwärmt hatte und von dem manche sogar die Behauptung wagten, er sei viel schöner als Uluru. Wir waren aber mehr als skeptisch, ob uns die Landschaft hier ähnlich fesseln könnte wie das Wahrzeichen Australiens. Und um es gleich vorweg zu nehmen: Kings Canyon ist nicht schöner als Uluru! Wir hingegen wagen sogar die Behauptung, dass man diese beiden Dinge überhaupt gar nicht miteinander vergleichen kann. Da ist zum einen dieser riesige Sandsteinfelsen, einzigartig, voller Geschichte und Kultur. Und zum anderen die beeindruckende Naturlandschaft des Kings Canyon, durch die man eine unvergessliche Wanderung machen kann. Jedoch erreichten wir den Zeltplatz in der abendlichen Dämmerung und unsere Wanderung sollte erst am nächsten Morgen beginnen. Bis dahin trafen wir noch auf eine nette deutsche Familienmutter, die sehr begeistert von unserer Reise war und uns von ihren eigenen Erfahrungen mit Neuseeland erzählte. Dort hatte sie nämlich vor etwa 20 Jahren mal längere Zeit verbracht, war aber sehr enttäuscht von den Inseln und ihren Landschaften, da man dafür ja auch einfach nur nach Irland oder in die Alpen hätte reisen brauchen. Ob diese etwas demotivierende Aussage zutreffen sollte, würden wir in etwa einem Monat erfahren. Außerdem trafen wir hier auf einen jungen Dingo, welcher wahrscheinlich auf dem großen Zeltplatz zuhause war. Sobald wir uns ein paar Meter von unserem Auto entfernten, kam der kleine Strolch aus dem Gebüsch und suchte unseren Platz nach etwas Fressbarem ab. Füttern sollte man die Vierbeiner jedoch nicht, denn sonst gewöhnen sie sich zu sehr an den Menschen und können im Extremfall auch nicht ganz ungefährlich sein. Unser kleiner Freund hatte aber ziemlichen Respekt vorm Mensch und guckte uns lieber aus sicherer Entfernung neugierig zu.

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Am nächsten Morgen ging es zeitig raus aus den Federn, denn auch wenn gerade Winter war, brannte die Sonne zur Mittagszeit gnadenlos. Im Sommer sind Teile der Wanderung sogar überhaupt nicht zugänglich, wahrscheinlich, weil es schon zu viele hitzebedingte Unfälle gab. Der Besucherparkplatz war bereits gut gefüllt. Der Ausgangspunkt der Wanderung war außerdem ungewohnt gut ausgebaut, hier kann man sich noch seine Wasserflaschen auffüllen oder noch einmal schnell das kostenlose WiFi nutzen – mitten im Nirgendwo. Nach einem steilem Anstieg bestehend aus unzähligen Treppenstufen geht es hinein in eine fast schon unwirklich wirkende Felslandschaft. Die Wanderung im Kings Canyon ist besonders aufgrund ihrer abwechslungsreichen Abschnitte so spannend. Nach ein paar Kilometern geht es plötzlich hinab in eine Schlucht, welche im Gegensatz zur restlichen Umgebung wie ein kleines Paradies wirkt. Nicht ohne Grund wurde ihr der Name „Garten Eden“ verliehen. Wer den kleinen Umweg nicht scheut, darf hier entlang des Bachlaufes, vorbei an versteinerten Quallen, bis hin zu einem natürlichen Pool laufen, um dort, wie wir es taten, eine Rastzeit einzulegen. Nach Regenfällen stürzt an dieser Stelle ein vermutlich sehr beeindruckender Wasserfall in das Tal, jetzt jedoch war er völlig versiegt. Erst nach diesem Abschnitt erreicht man den Ort, für den der Kings Canyon so bekannt ist und wie man ihn auch von Fotos kennt: Scheinbar wie mit einem Messer geschnittene riesige Felswände. Gerade weil der der Kings Canyon weit mehr zu bieten hat als nur die fotogenen Felswände, ist er definitiv den Abstecher wert.

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Da wir es in der Zwischenzeit endlich geschafft hatten, uns mit unseren ehemaligen Arbeitskollegen im Roadhouse zu verabreden, entschlossen wir uns nun auf schnellstem Wege zurück nach Border Village zu fahren: Sind ja nur 2300km! Und ab hier kam uns auch alles ungewohnt bekannt vor, denn genau die selbe Strecke hatten wir damals kurz vor Beginn unserer Arbeit in Border Village auch zurückgelegt. Aber es war ganz lustig durch Orte fernab der Heimat zu fahren und von alten Bekannten wiedererkannt zu werden. Wie zum Beispiel dem netten Platzwart des Campingplatzes in Ceduna oder der ehemaligen Kollegin, die jetzt dort im Supermarkt arbeitete. Die letzten 500km wurden uns noch durch eine ganz besondere Attraktion der Nullarbor versüßt, denn von Mai bis Oktober ist eine der Buchten eine Kinderstation für Wale. Ja, das klingt nicht nur unheimlich putzig und interessant, das ist es auch. Vom Aussichtspunkt an den Kliffs sieht man hier jeden Tag etliche Wale umherziehen, darunter auch ganz frische. Nimmt man sich ein wenig Zeit, sieht man hier Mütter mit ihren Jungen ganz nah an der Küste herumschwimmen oder sogar springen.

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Das Wiedersehen mit unseren alten Kollegen im Roadhouse war wie zu erwarten großartig. Wir haben mehrere Tage lang gefeiert, am Lagerfeuer gesessen und mit neuen und alten Mitarbeitern gegessen und gequatscht. Leider hat das Wetter nicht wirklich mitgespielt, wir hatten vier Tage Regen und all unsere geplanten Aktivitäten sind ins Wasser gefallen. Auch um noch einmal ein paar Tage zu arbeiten war unsere verbleibende Zeit in Australien leider zu kurz und so hieß es auch bald Abschied zu nehmen von unserem liebgewonnenem Roadhouse. Jedoch bekamen wir kurzfristig noch die Gelegenheit, die Farm einer guten Freundin zu besuchen, deren Lebensgefährte jedes Jahr ein paar Monate ganz in der Nähe von Border Village als Fischer arbeitet. Bis nach Elliston auf der Eyre-Halbinsel war es aber noch ein kleines Stück, also noch einmal vorbei an der Wal-Kinderstation, Ceduna und der wunderschönen Küste von Streaky Bay. Nach unserer Ankunft zeigten uns die beiden mit ihrer Tochter und den drei Hunden erst einmal die Farm, auf der sie leben. Uns wurde versprochen, dass es hier tausende von Wombats gibt, die wir bis dahin nur im Tierpark oder tot auf dem Highway gesehen hatten. Seit sie diese nämlich nicht mehr schießen, vermehren sich die riesigen, meerschweinchenförmigen Wesen auf dem Grundstück wie die Hasen und buddeln sich durch die Wiesen. Und tatsächlich sahen wir kurz vor Sonnenuntergang unzählige Wombats munter herumspringen. Außerdem leben hier Pferde, Schafe, Esel, Kühe und Ponys, die hier im Prinzip das ganze Jahr machen, was sie wollen – nur ab und an wird mal eines verkauft.

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Bei einem typischen Abendessen mit Ofengemüse und Nudeln wurde wir gefragt, ob wir nicht mal sehen wollen, wie auf einer benachbarten Farm die Schafe geschoren werden. Da konnten wir natürlich nicht Nein sagen. Und gesagt, getan ging es am nächsten Morgen zu Simons derzeitigem Arbeitsplatz. Es war äußerst spannend zu beobachten, in welcher Geschwindigkeit hier gearbeitet wird, auch wenn uns immer wieder versichert wurde, dass die Maori (die Ureinwohner Neuseelands) sogar noch schneller Schafe ausziehen können. In nicht einmal einer Minute wurde ein Schaf geschoren. Außerdem musste die Wolle aufgesammelt und sortiert werden. Nach diesem Ausflug ging unsere Reise weiter, denn bis nach Melbourne war es noch weit und wir wollten noch ein bisschen was sehen oder noch einmal sehen. In den kommenden Jahren wird erst mal das Telefon den einzigen Kontakt zu unseren Freunden nach Down Under darstellen. Aber wir sind uns dennoch sicher, dass wir sie irgendwann einmal wieder besuchen werden.

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Von Christoph

(Australien, Kings Canyon bis Elliston, 16. bis 31. August 2015)

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