Das brodelnde Neuseeland – Teil II

Nach dem Besuch auf White Island kamen wir auf der Weiterfahrt zufällig noch einmal am Zeltplatz vom Vortag vorbei und hielten es spontan für eine sehr kluge Idee, die warmen Quellen ein zweites Mal zu nutzen, viel würden wir an diesem Tag eh nicht mehr schaffen und es gibt durchaus schlimmeres, als genüsslich bei den doch noch recht kühlen Temperaturen in nach Pups riechendem Wasser zu liegen. Am folgenden Tag führte uns unser Weg nach Rotorua.

Schon bei der Fahrt durch die Stadt erblickt man hier an allen Ecken und Enden dampfende Gegenden. Förmlich überall, mitten in der Stadt. Unser Zeltplatz verfügte schon wieder über einen heißen Pool und etwa fünf Minuten entfernt befand sich eine Art Stadtpark mit abermals brodelnden Schlammlöchern und dampfenden Seen. Nicht weit davon befindet sich auch ein traditionelles Maori-Stadtviertel. Neben einzigartiger Holzkunst hat hier jeder noch so kleine Garten seine eigene heiße Quelle. Das Wasser wird mithilfe kleiner aus Stein gefertigter Kanäle Richtung See geleitet. Geothermale Wärme ist schon eine tolle Erfindung. In einem der Gärten sahen wir sogar Eierschalen, womöglich Überreste vom Frühstück der Besitzer. Bekannt ist Rotorua unter anderem durch seinen Geysir Whakarewarewa. Der Eintritt grenzte aber unserer Meinung nach an absolute Abzocke und deswegen folgten wir dem Rat eines guten Freundes und schauten uns das Naturspektakel vom Aussichtspunkt im benachbarten Hügelland an, welches gleichzeitig ein beliebtes Wandergebiet ist. Nicht ganz so überlaufen ist das Volcanic Valley südlich der Stadt. Vom Besucherzentrum aus läuft man hier gemütlich ein Tal voller vulkanischer Sehenswürdigkeiten hinab, um am Ende mit einer im Eintrittspreis enthaltenen Busfahrt wieder zum Parkplatz gefahren zu werden. Auch hier faszinieren wieder die Landschaften, die wie aus einer anderen Welt zu sein scheinen.

Den Vorzug thermal beheizter Campingplätze wollten wir uns auch fortan nicht nehmen lassen und so führte uns unser Weg zu einem kleinen Geheimtipp, von dem auch einige Neuseeländer, die wir trafen, nix zu wissen schienen. Willkommener und unverzichtbarer Helfer war wie immer WikiCamps, die App mit der man auch die noch so versteckten Perlen eines Landes findet. Gegenüber der Abfahrt zum Wai-O-Tapu Thermal Wonderland südlich von Roturoa, beginnt die Straße durch das Waikite Valley, in dessen Mitte sich ein ganz besonderer Campingplatz befindet. Zwar bietet dieser keine außerordentlich erwähnenswerten Einrichtungen für die Campingplatzbesucher und der Preis ist auch nicht ganz ohne, jedoch sprudelt nur einen Steinwurf entfernt knapp 100°C heißes Wasser aus einem Loch inmitten der Landschaft. Das dies etwas besonderes ist, zeigen einem schon die Pflanzen, die hier wachsen. Entlang des Flusstales wachsen Vorgänger urtümlicher Farnpflanzen, die es so nur hier und irgendwo in Südamerika geben soll. Das Wasser dieser Quelle wird aufwendig über ein eigens installiertes Terrassensystem gekühlt und in mehrere unterschiedlich temperierte Pools geleitet. Für den Besucher des meist ausgebuchten Campinplatzes ist die Benutzung inbegriffen – was für ein Hochgenuss.

Leider kann man sich an den ganzen Sehenswürdigkeiten, die es in dieser Region Neuseelands gibt, dumm und dusselig bezahlen, will man keine davon auslassen. Deswegen dachten wir uns, dass es doch keine schlechte Idee wäre sich aufzuteilen. Laura hatte sich am Vortag schon das Burried Village (verschüttetes Dorf) angeschaut. Hier wurde beim Ausbruch des Vulkans Tarawera 1886 ein Maori-Dorf von der Asche des Ausbruchs konserviert. Im kleinen Museum erfährt man viel über diese Region, wie sie vor dem Ausbruch war und kann im Gelände die ausgegrabenen Gebäude der Maori besichtigen. Während sich Laura nun also früh morgendlich noch in den warmen Pools räkelte, bin ich allein zum Wai-O-Tapu Thermal Wonderland gefahren, wo der Vulkanismus eine wunderbar farbenprächtige Kulisse geschaffen hat, durch die man mit etlichen anderen Touristen flanieren kann. Wer schon 11 Uhr vor Ort ist, darf sich außerdem den täglichen Ausbruch des Lady Knox Geysirs anschauen. Wer sich davon aber faszinierende unbändige Natur erhofft, liegt leider falsch, denn diesen Geysir gab es noch nicht immer. Vor vielen Jahrzehnten hat es in der Nähe mal ein Gefängnis gegeben, dessen Insassen für den Straßenausbau der Region angestellt wurden. Die Häftlinge waren für die Sauberkeit ihrer Klamotten selber zuständig und so versammelten sie sich regelmäßig an einer der heißen Quellen, um gemeinsam Wäsche zu waschen. Eines Tages fiel einem der Burschen ein Stück Seife in den kleinen Pool, woraufhin sich die Oberflächenspannung des Wassrs verringerte und der Pool auf einmal Wasser spuckte. Das muss ein rießiger Spaß gewesen sein, denn daraufhin bauten sie eine trichterförmige Öffnung aus Steinen, damit das Wasser immer höher speite. Der menschengemachte Geysir erlangte so eine gewisse Berühmtheit als beliebtes Fotomotiv. Auch heute noch wird also jeden Tag um 11 Uhr von einem Ranger des Parks ein Säckchen Seife in den Geysir gekippt.

Auf der Weiterfahrt steuerten wir nördlich von Taupo noch einen gigantischen Wasserfall an, um danach unsere Vorräte in der Stadt aufzustocken und unseren Bus vollzutanken. Eigentlich sollte nun ein weiterer Höhepunkt auf unserer Liste folgen: Die Wanderung um den berüchtigten Tongariro Vulkan. Leider wurde uns schon vorher von einer Angestellten des DOC davon abgeraten, denn auf Teilen der Wanderung lag wohl noch Schnee und es bestand Lawinengefahr. Natürlich haben wir deswegen (Schisser, die wir sind) verzichtet, nur um ein paar Tage später von anderen Reisenden zu erfahren, dass die Wanderung kein Problem gewesen wäre. Naja, nächstes Mal. Da uns aber schon länger im Vorraus von der Wanderung abgeraten wurde, haben wir uns eine schöne Alternative herausgesucht: Eine Wanderung am Taranaki, ebenfalls ein Vulkan an der Westküste der Nordinsel. Einen Besuch wollten wir dem Tongariro aber dennoch abstatten und haben eine Nacht auf dem DOC-Campingplatz am Ausgangspunkt der Wanderung verbracht. Neben einem sehr interessanten und obendrein auch noch kostenlosen, kleinen Museum gab es wenigstens auch noch eine kleine Wanderung auf einen benachbarten Hügel, von dem aus wir einen großartigen Blick auf den Vulkan, der gemeinhin als „Schicksalsberg“ bekannt ist, weil er als Vorbild für selbigen in Peter Jacksons „Herr der Ringe“ herhielt, hatten. Und was soll man sagen, es ist wirklich ein Vulkankegel wie aus dem Bilderbuch, sieht aber in echt sehr viel friedlicher aus als im Film. Ich fand die Aussicht sogar so schön, dass ich am nächsten Morgen vor Sonnenaufgang noch einmal hochgeklettert bin. Zwar war es so kalt an diesem Morgen, dass eine Eisschicht die spärlichen Pflanzen des Gebirges bedeckte, aber es hat sich gelohnt. Die Sicht war sogar so klar, dass ich einen ersten Blick auf den noch sehr weit entfernten Kegel des Taranaki werfen konnte.

Der Wetterbericht für die folgenden Tage am Taranaki war aber eher nicht so berauschend, weswegen wir unsere Pläne wieder einmal änderten und nochmal Richtung Norden gefahren sind. Vorbei an den berühmten Waitomo-Höhlen mit ihren Glühwürmchen und abenteuerlichen Erkundungstouren, die von Abseilen in hunderte Meter tiefe Löcher bis hin zu Wildwasser-Reifenfahrten durch die Höhlen reichen. Auf diese Abenteuer haben wir aber verzichtet, denn für uns hieß es erstmal den Gürtel enger schnallen, galt es doch noch ein paar andere spezielle Wünsche zu erfüllen. So zum Beispiel Surfen lernen für Laura. Den perfekten Ausgangspunkt für dieses Vorhaben fanden wir bei Raglan, einem eher verschlafenem Touristenörtchen an der Westküste, bekannt für seine Wellen und somit Eldorado für Surfer aus aller Welt. Untergekommen sind wir auf einem Zeltplatz auf einem nahegelegenem Hügel mit Blick auf die Bucht. Alte Bahnwagons wurden hier liebevoll zu Unterkünften umfunktioniert und auch die Campingküche hatte alles was das Herz begehrt, vom Ofen bis zur Bücherecke war alles vorhanden. Empfohlen wurde uns dieser Ort von Freunden aus der Heimat. Ein guter Tipp. Vielen Dank dafür.

Von Christoph

(Roturua bis Raglan, Neuseeland, 7. bis 13. Oktober 2015)

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