Anleitung: Sternenspuraufnahmen

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Im Gegensatz zu Milchstraßenbildern sind Aufnahmen von Sternenspuren etwas einfacher zu fotografieren. Bei der Erstellung ist vor allem eines gefragt: jede Menge Geduld! Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten ein solches Bild zu realisieren – zum einen durch sehr lange Belichtungszeiten, zum anderen durch das Überlagern mehrerer aufeinanderfolgender Einzelfotos, dem sogenannten Stacking. Ich habe mich von Anfang an für die zweite Methode entschieden, da damit umfangreichere Bearbeitungen vorgenommen werden können. Bei langen Belichtungszeiten ist man auf eine relativ dunkle Umgebung angewiesen, da sonst einzelne Bildbereiche schnell abbrennen. Durch das Stacking können jedoch mehrere verschieden belichtete Fotos der selben Szenerie in einer Komposition zusammengefasst werden. Ein Vorteil ist, dass die Aufnahmen für Sternenhimmel und Vordergrund gesondert mit unterschiedlicher ISO aufgenommen und dadurch das Rauschen im fertigen Bild extrem reduziert werden kann. Außerdem kann man die Sterne ihrer scheinbaren Bewegung entsprechend immer breiter erscheinen lassen. Dies läßt das Bild deutlich dynamischer werden. Aber der Reihe nach!

Zum Bild

Das Bild zeigt ein typisches sizilianisches Steinhaus. Im Mai 2016 haben wir hier knapp zwei Wochen gewohnt und den Besitzern bei der täglichen Arbeit geholfen. Zu sehen sind die Spuren der Sterne über einen Zeitraum von reichlich zwei Stunden. Das Bild ist zusammengesetzt aus 280 Einzelfotos mit einer Belichtungszeit von je 25s bei ISO100 und einer Blende von f2.8. Für den Vordergrund nutzte ich eine der Einzelaufnahmen, da der Hund des Hauses sonst mehrere Male als Geist zu sehen gewesen wäre.

Vorbereitung

Die scheinbare Bewegung der Sterne liegt in der Rotation der Erde um ihre Achse begründet. Demnach sind es also nicht die Sterne, die sich bewegen, sondern allein die Drehung der Erde ist Auslöser für diesen Effekt. Je nach Position auf der Erdkugel und Blickrichtung des Betrachters sieht diese scheinbare Sternenbewegung anders aus. Der Polarstern stellt die gedachte Verlängerung der Erdachse dar, deshalb drehen sich alle Sterne der nördlichen Hemisphäre um den Polarstern. In der südlichen Hemisphäre hingegen drehen sich alle Sterne um den Südstern, welcher jedoch nicht perfekt auf der Erdachse liegt wie sein nördliches Pendant. Dazwischen, also in einer gedanklichen Verlängerung des Äquators, ergeben die Bahnen der Sterne deswegen eine gegenläufige Bewegung. Die Höhe des Polarsterns ist vom jeweiligen Breitengrad abhängig, auf dem man sich befindet. Ist dies beispielsweise der 52. Breitengrad, dann ist der Polarstern in einer Höhe von 52° über dem Horizont zu sehen. Am Äquator würden sich zum Beispiel sowohl Polarstern als auch der Stern des Südens direkt am Horizont gegenüberstehen, am Nordpol befände sich der Polarstern senkrecht über dem Betrachter. Neben den typischen Kreisen sind somit auch andere Muster möglich. Möchte man also einen bestimmten Himmelsbereich ablichten, sollte man sich vorher mit dem Beobachtungsort und der Umgebung vertraut machen.

Sternenkreise auf der Südhalbkugel im Outback Australiens mit Beleuchtung durch den Mond

Sternenkreise auf der Südhalbkugel im Outback Australiens mit Beleuchtung durch den Mond

Sternenspuren am Uluru in Australien in Richtung Osten

Sternenspuren am Uluru in Australien in Richtung Osten

Sternenspuren Richtung Nordost mit während der Aufnahme aufgehendem Mond

Sternenspuren Richtung Nordost mit während der Aufnahme aufgehendem Mond in Australien

Detailaufnahme von Sternenspuren

Detailaufnahme von Sternenspuren

Blickrichtung Nordwest

Blickrichtung Nordwest in Sachsen

Richtung SÜden an der Mitelmeerküste Frankreichs

Richtung Süden an der Mitelmeerküste Frankreichs

Technische Vorraussetzungen

Für die Erstellung eines solchen Bildes sind neben Kamera und Objektiv ein programmierbarer Fernauslöser und ein Stativ unerlässlich. Die Ausrüstung muss nicht extrem lichtstark sein, schon mit ISO 100 und einem handelsüblichem Objektiv, kann man ohne weiteres Sterne festhalten. Je lichtstärker das SetUp jedoch ist, desto mehr Sterne und somit Sternenspuren sind im fertigen Bild zu sehen. Am allerliebsten fotografiere ich Sternenspuren mit meinem Sigma 10mm f2.8 Fisheye, welches ich wärmstens empfehlen kann. Weil die Kamera bei Sternenspurenaufnahmen lange im Freien steht, kann auch hier, besonders bei humiden Bedingungen, eine Objektivheizung notwendig sein. Manchmal reicht es aber auch, wenn man die Ausrüstung eine Weile vor Benutzung im Freien aklimatisieren läßt.

Aufnahme

Habe ich eine geeignete Location für ein Bild gefunden und das Wetter stimmt, dann beginne ich meist schon kurz vor Sonnenuntergang mit der Arbeit, denn bei Tag lassen sich Bildausschnitt und Fokus besser einstellen als im Dunkeln mit Taschenlampe. Aus diesem Grund habe ich immer einen kleinen Kompass zur Hand, um auch ohne Sterne die richtige Blickrichtung bestimmen zu können. Der Fokus sollte generell manuell eingestellt werden, damit er sich nicht unversehens verstellt. Im vorliegenden Beispiel habe ich lange nach Untergang der Sonne begonnen und den Fokus mit Hilfe der Lichter und dem Live-View-Modus der Kamera eingestellt. Ich fotografiere meine Sternenspuren generell im RAW-Format, da ich die Sequenz dadurch vor dem Import in Photoshop umfangreicher Bearbeiten kann.

In diesem Fall sorgte der Mond für die Beleuchtung des Vordergrundes. Es gibt jedoch Motive, die aufgrund ihrer Position nicht vom Mond beleuchtet werden können oder man hat einfach keine Zeit, zwei Wochen auf die perfekte Mondphase zu warten. In diesem Fall schieße ich in der Dämmerung eine Belichtungsreihe meines Motivs, um diese bei der Bearbeitung mit den Sternenspuren zu kombinieren. Alternativ kann man den Vordergrund aber auch mit einer Taschenlampe oder einem Blitz ausleuchten.

Ist es komplett dunkel geworden, kann mit der Erstellung der Sternenbilder begonnen werden. Die Belichtungszeit wähle ich nach der 500er Regel so, dass die Sterne auf den Einzelbildern als Punkte dargestellt werden. Bei einer Brennweite von 10mm und einem Crop-Faktor von 1,6 ergibt dies eine maximale Belichtungszeit von etwa 30s (500/(10mm * 1,6) = 31,25). Möchte man ein einfaches Sternenspurenbild ohne weitere Effekte erstellen, können auch längere Belichtungszeiten gewählt werden. Die ISO ist ein wenig abhängig von den Lichtbedingungen, wie etwa dem Mond oder künstlicher Beleuchtung in der Umgebung. Ich wähle meist einen Wert zwischen ISO 200 und 1600. Bei der Programmierung des Intervalls des Fernauslösers muss beachtet werden, dass die Kamera zwischen den Einzelbildern etwas Zeit benötigt, um die Bilder abzuspeichern. Diese Pause sollte so kurz wie möglich ausfallen, um später Lücken in den Sternenbahnen zu vermeiden. Die interne Rauschreduzierung muss deshalb deaktiviert werden. Nun muss die Kamera nur noch genug Bilder schießen, welche später zu Sternenspuren zusammengesetzt werden können. Ich fotografiere dabei meistens über einen Zeitraum von ein bis zwei Stunden. Oder einfach bis der Akku der Kamera leer ist.

Nachbearbeitung

In nachfolgendem Beispiel erkläre ich der Reihe nach wie ich mit Hilfe von Adobe Lightroom, LRtimelapse und Photoshop ein Sternenspurbild erstelle, in dem man außerdem die Bewegungsrichtung der Sterne anhand ihrer immer breiter werdenden Spur erkennt. Möchte man ein einfaches Sternenbild ohne diesen Effekt erstellen, beginnt man einfach mit den letzten Schritten in Photoshop.

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Zuallererst importiere ich die gesamte RAW-Sequenz in Lightroom und erstelle der Übersichtlichkeit wegen einen neuen Ordner.

 

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Nun wähle ich das letzte Bild der Reihe aus und bearbeite es in Lightroom meinen Vorstellungen entsprechend.

 

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Habe ich das Bild fertig bearbeitet, markiere ich mit Strg+A alle Bilder des Ordners und übertrage über die Schaltfläche „Synchronisieren“ die Einstellungen auf die gesamte Reihe.

 

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Der nächste Schritt mag zuerst etwas seltsam anmuten, er ist aber dem Effekt der breiter werdenden Spuren geschuldet. Hierzu wähle ich das erste Bild der Reihe aus und bewege den Regler für die „Belichtung“ sowie „Lichter“ ganz nach links. Das Bild ist nun je nach vorhandenen Lichtquellen fast komplett schwarz.

 

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Anschließend wähle ich wieder mit Strg+A alle Bilder aus und speichere die Einstellung über den Reiter „Metadaten“ > „Meatadaten in Dateien speichern“

 

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Um gleichmäßig breiter werdende Sterne zu erhalten benutze ich nun die Software LRtimelapse. Eine Trial-Version der Software und verschiedene Anleitungen findet man unter http://lrtimelapse.com/. Nachdem ich den gewünschten Ordner ausgewählt habe, erstelle ich unter dem Reiter „Werkzeuge“ eine steil ansteigende Kurve. Drückt man unter „StandartWorkflow“ auf den Button „Speichern“, werden die Metadaten der Bilder automatisch umgewandelt.

 

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Zurück in Lightroom markiere ich nun wieder alle Bilder und wende die zuvor getätigten Bearbeitungen über „Metadaten“ > „Metadaten aus Datei lesen“ auf meine Bilder an.

 

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Anschließend exportiere ich die Bilder als JPG-Dateien in einen extra Ordner. Dies ist notwendig, da die Stapelverarbeitung in Photoshop sonst mit der Größe und Menge der Bilder komplett überfordert wäre.

 

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In Photoshop lade ich nun alle Bilder über „Datei“ > „Skripten“ > „Dateien in Stapel laden…“ in den Arbeitsplatz.

 

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Sind alle Dateien in den Stapel geladen, markiert man zuerst alle Ebenen und stellt dann die Ebeneneigenschaften auf „Aufhellen“.

 

Nun ist das Bild im Prinzip schon fertig. Bei genauerem Hinschauen entdeckt man aber sowohl im Vordergrund als auch im Himmel noch ein paar störende Elemente. In diesem Fall sieht man Reflexionen von Satelliten am linken Bildrand. Ich persönlich entferne diese und andere Spuren (Flugzeuge oder die ISS) meist aus meinen Bildern, da sie das Auge des Betrachters nur unnötig ablenken. Bei Flugzeugen kann dies mitunter sehr mühsam sein, da man die Spuren aus jedem Einzelbild entfernen mus, bevor man die Bilder zusammenfügt. In diesem Fall reicht ein Kopierstempel aus. Außerdem ist der Hund Niura munter durch das Bild spaziert und hat hier und da ein paar Spuren hinterlassen. Deswegen habe ich für den Vordergrund nur eines der vielen Einzelbilder genommen und mich für eines mit sichtbarem Hund entschieden.

Jetzt nur noch speichern und fertig 😉

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Viel Spaß beim Ausprobieren!

Von Christoph

2 Comments on “Anleitung: Sternenspuraufnahmen

  1. Pingback: für Sternengucker, ein toller Tipp | Toerichtes Weib's Blog

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