Die Sackgasse

Komm mit uns ins Abenteuerland! Oder richtiger: ins Oparara Valley. Nie war ein Umweg so lohnenswert wie in Neuseelands Nordwesten der Südinsel. Begleite uns von Nelson über Westport nach Karamea und zurück nach Westport.

Am Ziel?

Das regenbogenfarbene Schild am Ortseingang verkündet „Welcome to paradise“ und die Frequenz des freien Radios von Karamea. Auf dem Sender läuft Hiphop, kurz darauf Hardcore, als wir an Kühen und Bungalows vorbei Richtung Zentrum fahren. Es gibt dort, wo drei Straßen aufeinandertreffen: einen Supermarkt, eine Tankstelle, die gleichzeitig Angler- und Andenkengeschäft ist, und einen hippiesken Laden mit Kleidung und Keramikwaren im Schaufenster – leider geschlossen. Die Straße Richtung Meer führt außerdem zum Sportplatz, Einfamilienhäusern und zum Hostel. Das ebenso regenbogenfarbene Haus, in dem auch das Radio sitzt, hat anders als im Internet angegeben keinen Zeltplatz mehr, was schade ist, denn im Aufenthaltsraum bollert der Ofen und eine Handvoll junger Leute sitzt auf den abgewetzten Sofas und liest oder surft. Die Straße aus dem Ort raus, auf der wir hergekommen sind, führt auch zurück zum Campingplatz, den wir nun ansteuern und der sich aufgrund seines Besitzers als Glücksgriff herausstellt. Die dritte Straße führt nach Norden aus dem Ort hinaus und ist bald darauf nicht mehr geteert, aber sie ist der Grund, weshalb wir hier sind. Über sie gelangt man ins Oparara Valley, ein Tal voller Naturwunder, über das der Lonely Planet sinngemäß behauptete: Läge es woanders, wäre es von Touristen überlaufen. Stattdessen liegt es am Ende einer 100 km langen Sackgasse.

2 Tage zuvor

Um nach Karamea im Norden von Neuseelands Westküste zu gelangen, gibt es dennoch 2 Wege: Zum einen den Heaphy Track, der bei Golden Bay beginnt und über 78,5 km hierherführt. Nur dann stünden wir hier und unser Mietvan noch oben an der Nordküste. Die andere Möglichkeit ist, von Nelson aus durchs Inland nach Westport und dann die Küste hinauf zu fahren – und das haben wir getan. Südlich von Nelson steigt die Straße immer weiter an, bis man von einem Aussichtspunkt die ersten schneebedeckten Gipfel der neuseeländischen Alpen erspäen kann. Dann führt sie hinunter ins Tal des Buller River. Der Fluss ist für seine Stromschnellen und Raftingtouren bekannt. Auf unserer Fahrt halten wir immer wieder einmal an, um einen Blick auf das rauschende Wasser unter uns zu werfen.

Über dem Buller River: Wie sich die längste Hängebrücke mit Höhenangst anfühlt

Über dem Buller River: Wie sich die längste Hängebrücke mit Höhenangst anfühlt

Bei Murchison führt außerdem die längste Hängebrücke Neuseelands über den Fluss. Als wir sie betreten, ziehen die weißen Stromschnellen etwa zehn Meter unter uns vorbei, aber auf alten Fotos sehen wir, dass der Fluss gigantisch ansteigen und die Brücke beinahe erreichen kann. Aus Sicherheitsgründen darf immer nur ein Mensch die Brücke überqueren, aber auch dann wackelt das Konstrukt aus Stahl mehr als erwartet. Ganz Mutige können den Rückweg an einer Zipline entlangsausen, aber für Christophs Höhenangst ist die 110 m lange Brücke spannend genug. Auf dem anderen Ufer erwartet uns ein Spazierweg zu alten, hohen Kauribäumen, zu den Verwerfungslinien des großen Erdbebens von 1929, das in der Region viele Brücken und Häuser beschädigt hat, und zu Hütten, in denen früher Goldsucher gelebt haben.

Camping im Tal des Buller River

Camping im Tal des Buller River

 

Beim Picknicken auf der Insel machen wir erstmals Begegnung mit den Sandflies, kleinen, fliegenden, schwarzen Monstern, äußerlich ähnlich unseren Obstfliegen. Unsere Freundin Desi hatte uns mit Horrorgeschichen vor ihnen gewarnt. Nicht nur, dass ihre Bisse zwicken, dass sie durch Mückengitter passen und schwärmeweise auftreten: Der Juckreiz kann wochenlang anhalten. Leider hatten wir noch kein Mittel gegen Sandfliegen, aber wir sollten es nur Stunden später in Berlin bekommen.

Dieses Berlin hat allerdings nur eine Handvoll Bewohner, ist ein Haus an besagtem Buller River und hat seinen Namen (der noch ein s am Ende hat) von einem Siedler der Region. Erst seit Anfang 2015 befindet es sich im Besitz der Familie, die dort jetzt ein Restaurant, ein Bed&Breakfast und einen Campingplatz bertreibt. Auf der Theke entdecken wir das selbstgemachte Wundermittel. Die Zutaten sind geheim, unten hat sich Öl abgesetzt, darüber schwimmen Kräuter in einer milchigen Flüssigkeit. Jedenfalls hilft es und es riecht auch noch gut, und leistet uns später auch noch in Thailand gute Dienste gegen Moskitos und Tigermücken. Der nette Besitzer selbst benutzt es nicht, aber er ist abgehärtet, sagt er grinsend, als wir später auf der Holzbank auf dem Campingplatz sitzen. Sein struppiger, freundlicher Hund hatte uns kurz einen Besuch abgestattet und einen Weg in den Wald gezeigt. Das kleine Tier scherte sich allerdings wenig um nasse Füße und Gestrüpp – wir schon, so dass wir den Spaziergang abbrachen. Wer weiß, wohin er uns noch geführt hätte. Sein Herrchen aber empfiehlt uns, den Pfad hinter den Wasserbehältern hinaufzugehen. Wir gelangen auf einen Hügel, von dem wir das Flusstal, die Hügel ringsum und das „Berlins“ unter uns sehen können. Zwei Klappstühle hat er hier oben zurückgelassen.

Die Aussicht auf Berlin(s)

Die Aussicht auf Berlin(s)

Abends ziehen wir uns in die gemütliche Campküche zurück, wo wir auf eine Niederländerin und einen Kanadier treffen. Unter anderem erzählt er eine Geschichte, die ein Klischee bestätigt und unser Bild von Kanadiern auf jeden Fall geprägt hat: Als er in den Höhlen bei Whangarei war, die wir auch erforscht hatten, reichte ihm das Wasser an einer Stelle bis zum Oberschenkel. Die beiden Deutschen, die mit ihm hinabgeklettert waren, wollten partout nicht hindurchwaten. „Sie haben mich gefragt, ob ich sie trage.“ Wir lachen über die Absurdität und Unverfrorenheit dieser Bitte, doch wir haben nicht mit seiner Reaktion gerechnet: „Also… ich habe sie getragen.“ Die Niederländerin gibt uns noch Empfehlungen für Wanderwege auf der Südinsel, schließlich kriechen wir in unser Sandfly-verseuchtes Schlafzimmer/Van.

600 Meter höher

Den leckeren Milchkaffee, den ich mir zum Frühstück im Café geholt hatte, habe ich gerade ausgetrunken, da hören wir ein lautes Brummen von draußen. Schon länger stehen einige Männer am Straßenrand gegenüber und da fällt es uns wieder ein: Hatte der Inhaber nicht gestern von einem Bootsrennen erzählt? Gerade noch rechtzeitig gehen wir hinaus und sehen Speedboote auf dem Fluss vorbeirasen. In der Kurve, wo die Strömung am stärksten ist, geraten manche ins Schlingern, aber alle schaffen das Manöver. Die Zuschauer steigen in ihre Autos und wir packen unsere Sachen und fahren weiter.

Westport liegt unter dicken Wolken und als wir die Touristeninformation mit einer Karte des Oparara Valleys verlassen, fängt es an zu regnen. Unsere neuseeländische Freundin Alex hatte die Stadt als „typisch Kiwi“ empfohlen, und so wirkt sie auch auf uns. Wieder die typische Geschäftsstraße mit einstöckigen Häusern und teilweise alten Fassaden, und jetzt im Oktober Schauplatz eines einzigartigen Festivals: Dem Whitebait-Fest. Als Whitebait bezeichnen die Neuseeländer eine bestimmte Art sehr junger Fische, die im Frühling an diesen Küsten gefangen und zu verschiedenen Speisen zubereitet werden können. Bekannt ist die Region außerdem für ihren Steinkohleabbau, der bis in die 1960er Jahre viel Arbeit und Geld einbrachte. Heute wird mit neuen Abbaumethoden im kleinen Stil wieder Kohle gefördert und erst als wir das erfahren, erklärt sich der Geruch, der in Westport in der Luft lag, der uns vertraut war und den wir dennoch zunächst nicht zuordnen konnten: der Geruch von Kohleöfen.

Denniston im Nebel - wie passend

Denniston im Nebel – wie passend

25 km von hier auf dem 100-km-Weg ins Paradies, und zu meinem Erstaunen oben auf dem Berg, 600 m über dem Meer, liegen die Abbaustätten von Denniston. Unzählige Tonnen Kohle wurden hier zwischen 1878 und 1967 gefördert, und um 1911 lebten 842 Bergwerksarbeiter, ihre Frauen und Kinder hier oben auf dem Plateau. Die heutige Geisterstadt war ein Tipp von unserem Freund Gummiz, und weder Nebel noch Nieselregen sollten mich davon abhalten, sie zu besuchen. Nachdem wir die Küstenstraße verlassen und den Serpentinen auf den Bergrücken gefolgt waren, tauchten zwei Häuser aus dem Nebel auf. Sie sahen gar nicht nach Ruinen und sogar bewohnt aus – tatsächlich leben noch etwa 10 Menschen in Denniston und Firmen bauen heute wieder im kleinen Stil Kohle ab. Eine Abzweigung bringt uns auf eine Schotterpiste zu einem Parkplatz, und wenn ich den Plan richtig studiert habe, soll dort einmal eine Schule gestanden haben. Außer LKWs begegnet uns niemand, und wir waren schon umgedreht, als wir doch noch den Besucherparkplatz entdecken. Daneben sind noch die Fundamente eines Hauses erkennbar – die Direktoren sollen an dieser Stelle am Hang gelebt haben – und dahinter verschwindet eine längst außer Betrieb gesetzte Seilbahn in einer Wolke. An Stahlpfeilern hängen Tafeln, die mit Bildern, Fakten und Anekdoten aus dem Leben der Dennistoner erzählen. Von den Wohnhäusern, geschweige denn ihrer Einrichtung, ist nichts mehr übrig außer ein paar Betontreppen und Mauerresten. Aber unterhalb des Parkplatzes sind noch Teile der alten Verladestation erkennbar, und so mache ich mich im Regen auf einen zügigen Spaziergang. Den steilen Hang stützt eine baufällige Steinmauer, eine schmale Treppe und eine Straße führten hinab auf einen weiten Platz, den ich schnell überquere. Ein Holzsteg bringt mich hinaus über den Abgrund, der direkt dahinter beginnt, um an seinem Ende den Blick auf Dennistons größte Attraktion freizugeben: den sogenannten Bremsberg, den die Einheimischen achtes Weltwunder nannten.

Dahinter geht es steil nach unten: An der Denniston Incline

Dahinter geht es steil nach unten: An der Denniston Incline

Um die Kohle aus den Bergen hinab zur Bahnlinie zu befördern, gab es damals weder Straße noch LKW, selbst die Bewohner hatten nur einen steilen Bergpfad als Verbindung zum Rest der Welt. Also wurde die Kohle in große Wägen geschüttet, an Stahlseilen den Berg hinabgelassen und erst danach in Eisenbahnwaggons verladen. Parallel „zogen“ die Seile leere Wägen wieder nach oben. Vor allem unter den Teenagern des Ortes soll es eine beliebte und nicht nur einmal missglückte Mutprobe gewesen sein, zwischen den Wägen „mitzufahren“. Im Nebel kann ich nur erahnen, wie steil und tief die Bahn einst hinabführte. Zurück auf dem Platz gehe ich zum Anfang des Bremsbergs (Ich hoffe, ich hab das englische „Incline“ richtig übersetzt…), die Holzplanken sind rutschig, der Abgrund verschwindet im trüben Nichts. Es ist nicht mehr viel übrig von Denniston, aber in den Geschichten auf den Tafeln und auch Dank des Wetters wurde die Kohlebaugemeinde für mich lebendig. Im trockenen Auto zeige ich Christoph meine eilig geschossenen Handyfotos und wir verlassen die echte Geisterstadt – passendes Wetter inklusive.

Wieder im Grünen

Wir kehren zurück ins Tal, tauchen unter die Wolken. Die Fahrt nach Norden führt uns vorbei an grünen, mit Nikau-Palmen bestandenen Wiesen neben steinigen Stränden auf der einen Seite und ebenso grünen, steilen Hängen auf der anderen Seite. Mal schlängelt sich die Straße auf einen Pass und auf der anderen Seite hinunter, dann wieder lange geradeaus durch winzige Orte und vorbei an Weiden mit Kühen. In ein paar Tagen werden wir sie wieder zurückfahren müssen. Schließlich checken wir am Nachmittag auf dem Campingplatz in Karamea ein. Der Besitzer, ein grauhaariger Brillenträger, sitzt vor einer braunen Schrankwand, sein kleiner Hund kommt mit wedelndem Schwanz um den Tisch auf uns zu. Als ich ihm den Grund unseres Aufenthaltes an diesem Ende der Welt erzähle, dreht er sich in seinem Stuhl herum, zieht eine Schublade auf und holt ein Fotoalbum hervor. Es ist eines dieser schmalen, wo die Bilder in umklappbaren Plastikfolien stecken. „Ihr müsst Ausschau nach den Felsen halten. Sieht der hier nicht nach einem Hundeknochen aus?“, fragt er und zeigt auf ein Foto, auf dem ein tatsächlich knochenförmiger Stein in den Fluss ragte. Auch Fotos von den Fenian-Höhlen hat er in dem Album, aber die Zugangsstraße ist wegen eines Erdrutsches gesperrt. Wir suchen uns einen Platz für unseren Van unter einem blühenden Busch, nicht ahnend, dass darüber ein Vogelnest ist – und dessen Bewohner ganz und gar nicht erfreut über unseren Besuch sein könnte.

Sooo ein schöner Campingplatz, oder: wie soll man in diesem Baum das Nest sehen?

Sooo ein schöner Campingplatz, oder: wie soll man in diesem Baum das Nest sehen?

Am nächsten Morgen erwachen wir zu Sonnenschein und einem stinkenden Camper voller Vogelschiss. Kein Problem, das ein Wasserschlauch nicht beseitigen konnte. Die Straße zu unserem Ziel ist nach einigen Kilometern nicht mehr geteert, dafür schmal und steinig. Viel Gegenverkehr sehen wir allerdings nicht, und Reisebusse erst recht nicht. Kaum ein dutzend Autos stehen auf dem Wanderparkplatz, von dem aus Wege zu den Sehenswürdigkeiten im Oparara Tal führen. Der erste führte am gleichnamigen Fluss entlang, der sich durch Mineralien orange gefärbt durch ein baumbestandenes Tal schlängelt. Schließlich führt er in eine dunkle Höhle – und über uns spannt sich ein Steinbogen, der sich laut DOC in 43 Metern Höhe über dem Fluss spannt, 219 Meter lang ist und von Seite zu Seite 79 Meter misst. Zum Vergleich: Die Pont d’Arc beginnt in 54 Metern über dem Fluss Ardèche in Südfrankreich, ist aber nur 60 Meter lang (Und nichtsdestotrotz sehr, sehr beeindruckend.) Wir folgen dem rutschigen Pfad hinein in die Höhle und können bald um die Ecke durch den anderen Ausgang schauen – und sehen ein weiteres grünes Tal, das ich nur zu gern erforschen würde. Aber auch im für Wanderer zugänglichen Bereich gibt es so viel zu entdecken! Man muss es den Nationalparkbetreibern wirklich zugute halten, dass es im ganzen Tal kaum Zäune und Absperrgitter gibt, dafür auf der Homepage den Hinweis: „Safety is your responsibility.“ – „Sicherheit ist deine Verantwortung.“

Der Eingang nach Moria im Oparara Tal

Der Eingang nach Moria im Oparara Tal

Zurück am Parkplatz lesen wir in der Pause, welche Voraussetzungen diese einzigartige Landschaft geschaffen haben, von Kalkstein und dem Opararafluss, Erosion und Ablagerung, und von den Tieren und Pflanzen, die hier heimisch sind. Ein nicht allzu langer Rundwanderweg führt uns danach durch Farne und Büsche, unter bemoosten Bäumen hindurch und ein paar Treppen auf einen Felsen hinauf – und von dort ins Innere. Vor uns rauscht der Fluss, links und rechts öffnet sich die Höhle hin zum Wald, hinter uns liegt die Felswand. Kleine Öffnungen führen hinein, aber nie weiter als ein paar Meter. Der offizielle Name, „Das Tor von Moria“, scheint mir ein wenig düster für diesen so friedlichen, grünen, einfach wunderschönen Ort. Der „Spiegelsee“ jedoch wird seinem Namen gerecht.

Ins Dunkel

Die dritte Attraktion ist nur wenige Minuten mit dem Auto entfernt. Diesmal handelt es sich um ein Höhlensystem. Die „Mosaikpflasterhöhle“ (auf englisch lustigerweise „Crazy Paving Cave“) war eng und kurz, dafür erblicken wir links und rechts de Pfades aufgeplatzten Erdboden – sehr, sehr alten, getrockneten Schlamm. Von den niedrigen Decken hängen Höhlenspinnen. Brrr. Schnell weiter. Die zweite Höhle hätte besser zu den Minen von Moria gepasst, denn der Gang hinein ist hoch und breit, und unsere kleine Taschenlampe reicht kaum aus, den langen Raum zu beleuchten. Wo sind Gandalf und sein Leuchstab, wenn man sie braucht??? Am vermeintlichen Ende klettern wir, durch andere Touristen auf die Idee gebracht, einen sandigen Hügel hinauf. Dahinter geht es durch weitere Gänge. Vereinzelt leuchten Glühwürmchen an der Decke über uns. Doch schließlich wird das Weitergehen aufgrund der Enge zu beschwerlich. Auf dem Rückweg rutschen wir den Hügel auf den Füßen hinunter. Was für ein Abenteuer! Und auch hier, wie in so vielen Höhlen Neuseelands, muss man weder Eintritt bezahlen, noch einem vorgegebenen Weg folgen. „Anschauen, aber nicht anfassen“, mahnt das DOC, schreibt aber auch: „Erkunde die Felsnischen total frei.“ Machen wir! Danke Neuseeland! Bei den anderen Höhlen im Oparara Tal wie der Honeycomb Cave sieht das anders aus. Da sie aufgrund ihrer Tropfsteine und Fossilienfunde fragiler sind, kann man sie nur mit einer geführten Tour besichtigen.

Steinbrücken, Höhlen, Mooswald: Das Oparara Valley ist ein Tal mit verhältnismäßig vielen Naturwundern auf kleinem Raum. Die „Herr der Ringe“-Referenzen hätte es gar nicht gebraucht, um mich hierherzulocken (und das sage ich als Fan!). Zurück am Campingplatz unterhalte ich mich noch einmal mit dem Inhaber, und er bringt etwas Licht ins Dunkel, woher die Namen kommen. Die Sehenswürdigkeiten heißen schon seit den 1980ern so, lange vor Peter Jacksons in Neuseeland gedrehter Trilogie und dem damit einsetzenden Hype. „Wir kannten die Höhlen schon lange, aber dann kam so ein Typ und dachte, er hätte da was ganz Neues entdeckt und weil er Fan der Bücher war, wählte er diese Namen“, erklärt er mir. Gedreht hat Peter Jackson hier gar nicht, dafür sind Teile von „Die Vergessene Welt“ hier entstanden. Ein Teil der Filmcrew übernachtete damals auf dem selben Zeltplatz wie wir jetzt. „Schau, wir sind eine kleine Gemeinde, mehr könnten wir gar nicht beherbergen“, sagt er. Und erzählt mir von den Wundern, die noch im Verborgenen liegen. Von der Höhle, deren Zugang auf dem Grundstück seines Onkels lag, bis er nach einem Erdrutsch verschüttet wurde. Von den Wanderern, die in der Wildnis weitere Karsthöhlen entdeckt hatten, aber trotz umfangreicher Suche mit Hubschraubern nicht wiederfinden konnten. Das Oparara Valley ist noch voller Geheimnisse und zum Glück so unzugänglich, dass sie vielleicht noch viele Jahre ungestört und unzerstört bleiben.

Überraschungsfeuerwerk auf dem Zeltplatz

Überraschungsfeuerwerk auf dem Zeltplatz

Am Abend werden wir Zeuge des wohl unschuldigsten Feuerwerks, dem wir je beiwohnen durften. Die Langzeitcamper hatten zu einer Spendenaktion geladen, doch noch während Christoph uns in der Campküche eine schmackhafte Suppe kocht, sehe ich, wie zahlreiche Camper auf die große Wiese nebenan strömen. Dort stehen drei grauhaarige Herren neben einigen Kartons und beginnen nach und nach Knaller, Leuchtvulkane und Raketen anzuzünden. Sie lassen dabei ein erstaunliches Maß an Vorsicht walten und haben so viel Freude mit dem Feuerwerk, dass ich meine Kritik – es ist doch noch hell!!! – für mich behalte. Danach (!)geht wunderschön die Sonne unter und wir ziehen uns wieder in die Küche zurück, wo wir auf ein deutsch-französischen Pärchen treffen, die auch gerade auf Weltreise sind. Am nächsten Morgen heißt es Abschied nehmen vom Paradies.

Nix mit sanft - Der Strand bei Gentle Annie

Nix mit sanft – Der Strand bei Gentle Annie

Auf der Rückfahrt nach Westport halten wir noch am Gentle Annie Strand, der uns einen Vorgeschmack gibt auf das, was die nördliche Westküste der Südinsel ausmacht. Bewaldete Hügel fallen zum Meer hin ab, wo Felsen wellenumtost im Ozean stehen. In Westport ist das Whitebait Festival vorbei, aber eine Attraktion der Stadt ist von Dauer: die Robbenkolonie. Es stimmt, dass man die Anwesenheit der knautschsesselförmigen, grauen, gemütlichen Säuger riechen kann. Beeindruckend ist aber vor allem, wie unbeeindruckt sie von menschlicher Anwesenheit einfach ihr Leben leben. Wir sehen Jungtiere, einen Streit, der von einem massiven Männchen geschlichtet wird und viele, die in der Sonne liegen und chillen. Nach diesem Abstecher erreichen wir noch am Nachmittag unser nächstes Ziel, dass im Gegensatz zum Nordwesten auf dem Reiseplan vieler Tourisen steht und teuren Campingplatz und Trubel wert sein würde: die Pancakerocks.

 

von Laura
(Neuseeland, im Nordwesten der Südinsel, 22. bis 25. Oktober 2015)

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