Nida und die Camper

„Sucht euch irgendeinen Platz auf der rechten Seite“, sagt das Mädchen mit der Rihanna-Frisur an der Rezeption. Die linke Seite ist reserviert „für eine große Gruppe“. Der Campingplatz in Nida ist groß, aber es ist auch der einzige auf der Kurischen Nehrung – zumindest auf litauischer Seite. Außerdem ist es heiß und Wochenende. Es könnte also voll werden, naja, voller zumindest. Auf der rechten Seite, einmal rum um den Tennisplatz, suchen wir uns einen Platz im Kiefernwald mit Sitzbank und Lampe. Ein paar Wohnwagen sind schon da, eine Familie mit Baby aus Deutschland, ein älteres Paar aus Österreich im VW-Bus. Nach der Mittagshitze gehen wir spazieren, den Hügel hoch zur Sonnenuhr mit Blick auf die Dünen, die hier ähnlich wie in Leba riesengroß sind.

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Später, ich weiß nicht mehr, ob es schon am Freitag oder Sonnabend passierte, hatte sich der Platz wirklich gefüllt. Die große Gruppe bestand überwiegend aus deutschen Rentnern. Ihren Wohnwagen nach von überall her. Ein paar von ihnen saßen an zwei weißen Campingtischen, ein Mann mit weißem Vollbart spielte „Sound of Silcence“ auf der Gitarre und sang mit. Die anderen schauten versonnen. Diese Wohnwagen-Gruppenreisen scheinen der letzte Schrei zu sein, sie sind uns jedenfalls schon öfter begegnet. Fängt der Campingplatzboden leicht zu vibrieren an, weiß man: Da kommen wieder welche. Dazu gehören auch meistens irgendwelche Rituale, die sich durch im Kreis stehen oder sitzen äußern. Manchmal wird dabei gesungen.

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Camper sind schon manchmal ein merkwürdiges Völkchen. Sie würden zwar nie, niemals Pauschalurlaub in einer Bettenburg machen – die Nähe zu anderen Urlaubern suchen sie bei aller Individualität aber doch. Ein Hotelzimmer, wo einem jeder auf den Balkon gucken kann: bitte nicht. Aber auf dem Campingplatz darf man sie auf dem Weg zum Bad im Morgenmantel sehen, beim Aufwaschen, Kochen, Sonnen und Chemie-Klo-Ausleeren. Animation: nein Danke. Aber einem Reiseleiter von Platz zu Platz folgen und Sportspiele machen, das geht. Abends verschwinden sie dann zügig in ihre Wägen, dann sieht und hört man sie nicht mehr, selbst, wenn es lange hell ist. Alle anderen ohne Wohnwagen haben es da nicht so einfach. Bei einer Fliegenplage wie in Nida – die Biester schwirrten in großen Schwärmen umher, stachen aber wenigstens nicht – kann man sich nicht einfach drinnen verstecken und fernsehen. Man kann sich zum Mensch-ärger-dich-nicht-spielen nur den Tisch suchen, der möglichst weit von einer Lampe weg ist und Mückenkerzen entzünden (wie wir). Zeltende haben wir aber bisher ohnehin kaum gesehen, vielleicht weil die Nächte im Mai noch ganz schön kalt sein können. Gegenüber von uns hat ein litauisches Pärchen geparkt, die auch im Auto schlafen – wir sind damit endlich mal nicht die Einzigen! Im Wald nebenan haben sie eine Slackline gespannt.

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Abends, beim Versuch die Sternschnuppen zu fotografieren, treffen wir auf ein Mädchen aus Nida mit dem gleichen Plan. Sie hat mal in Bonn Praktikum gemacht und findet: Sie würden ja auch nach Deutschland reisen, da sollen die Deutschen auch nach Litauen kommen. Und als wir sagen, dass es uns hier gefällt, bittet sie uns, all unseren Freunden davon zu erzählen. Was wir hiermit tun.

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Litauen, 23. bis 25. Mai

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