Gletscherland Teil 2

Der aufmerksame Leser wird sich nun denken: „Teil 2? Wo um Herrschaftszeiten ist Teil 1 abgeblieben?“ Wir waren aber am Anfang unserer Reise schon einmal in einem Gletscherland. Und zwar im Norden Norwegens. In vielerlei Hinsicht ähneln sich die Landschaften Neuseelands und Norwegens. Das eine mag keine Vulkane haben, dafür das andere keine Trolle. In beiden gibt es aber ausgiebig Berge, Wildniss, Fjorde, Schafe und eben Gletscher. Beide Länder sind etwa ähnlich groß und haben vergleichbar viele Einwohner. Von einer unserer Kiwi-Arbeitskollegen in Australien erfuhren wir sogar, dass einige Schafscherer regelmäßig ins weit entfernte Norwegen reisen, um dort ihr Geld damit zu verdienen, Schafe auszuziehen – darin scheinen die Kiwis nämlich besser zu sein als die Norweger. Naja dafür haben die mehr Schnee. Auch auf der Liste meiner persönlichen Favoriten stehen diese beiden Länder an oberster Stelle. Einfach weil sie so unglaublich vielseitig und abwechslungsreich sind.

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Bevor wir unsere ersten Gletscher bestaunen konnten, mussten wir aber noch ein ganzes Stück südwärts die Westküste der Südinsel entlang fahren. Auf dem gab es so einiges zu bestaunen. Nicht nur, dass die Straße selbst aufgrund ihrer rauhen und steinigen Abschnitte echt sehenswert ist, zwischendurch fanden wir als erstes eine Robbenkolonie nahe Westport vor. Auf einem kleinen Wanderweg gelangt man an einen Aussichtspunkt mit Blick auf die trolligen Tiere. Als wir eintrafen, waren glücklicherweise gerade alle zuhause, entspannten und sonnten sich auf den Steinen und stritten sich hier und da um den besten Platz. Wir beide laufen immer ein wenig Gefahr uns festzugucken und viel zu viel Zeit zu verlieren, denn bis zu unserem nächsten Ziel, den Pancake Rocks, war es noch ein ganzes Stück und wir wollten noch vor Sonnenuntergang ankommen. Das Wetter war ausgezeichnet und direkt in Laufweite zu den Pancake Rocks gab es einen ziemlich gemütlichen Campingplatz. Auch der Strand direkt nebenan war nicht von schlechten Eltern. Noch am selben Abend statteten wir den berühmten eierkuchenförmigen Felsen einen kurzen Besuch ab, doch zu diesem Zeitpunkt war gerade Ebbe – und nur wenn die höchsten Wellen auf die Felsen treffen, kommen schäumende Fontänen aus kleinen Höhlen meterhoch in Richtung der Besucher geschossen. Also machten wir uns am nächsten Morgen bei Flut noch einmal auf den Weg und das Meer war schon auf den ersten Blick sehr viel stürmischer als noch am Vortag. Hin und wieder kam ein derartiger Kavenzmann auf die Felsen zu, dass uns zahlreiche pitschnasse Touristen entgegenkamen. Ich hatte zu viel Angst um meine ganze Technik, als das ich es darauf anlegen hätte wollen.

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Unser nächstes großes Highlight sollte der Franz Josef Gletscher im Westland Nationalpark werden, einer von nur drei begehbaren Gletschern in Neuseeland, und das, obwohl das kleine Land über 3000 davon besitzt. Auf meiner persönlichen Liste stand eine geführte Gletscherwanderung. Vor Ort jedoch erfuhren wir, dass man nicht einfach dort hinauf spazieren kann, sondern dass man von einem Hubschrauber darauf abgesetzt werden muss. Nun war das Wetter leider ziemlich miserabel und wir entschieden uns ein paar Tage auf Besserung zu warten. Vorübergehendes Lager war das Hostel im Ort Franz Josef, hinter dessen Haupthaus auch ein paar wenige Stellplätze für Camper zur Verfügung standen. Am Lagerfeuer lernten wir zwei Deutsche kennen, dessen Gesellschaft wir sehr genossen und mit denen wir später noch eine der schönsten Wanderungen unserer bisherigen Reise machen würden. Man trifft zwar auf eine Menge durchaus netter Menschen auf Reisen, aber Leute, mit denen man sich auf Anhieb richtig gut versteht, sind rar gesäht. Die Geschichten, die die beiden von Australien erzählen konnten, waren köstlich, außerdem waren beide verrückt nach Abenteuern. Einmal haben sie sich in Australien auf einer einsamen Insel absetzen lassen – nur mit ihrer Ausrüstung, Wasser und der Gewissheit, dass sie nach einer Woche wieder vom Boot abgeholt werden.

Das Hostel hatte alles, was wir brauchten. Den Aufenthaltsraum und die Küche nutzten wir zum schreiben und kochen. Einmal hat Laura einen Blogeintrag gelöscht, an dem ich schon den ganzen Tag geschrieben hatte und der fast fertig war. Aber im Großen und Ganzen konnten wir uns nicht beschweren und hatten eine Unterkunft, in der wir die erlebnissreichen Wochen zuvor in Ruhe verarbeiten konnten. Leider wurde das Wetter aber nicht besser und der Ausflug auf den Franz Josef Gletscher fiel im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Jedoch statteten wir dem Fox Gletscher einen kleinen Besuch ab, in dessen Nähe wir ebenfalls eine Nacht verbrachten. In Küstennähe hatten wir wunderbares Wetter, aber dort, wo Luftmassen auf das Gebirge treffen, formten sich auch hier wieder dicke, dunkle Wolken.

An den beiden darauffolgenden Tagen stand endlich die Wanderung auf dem Copland Track auf dem Programm. Diese wurde uns von unserem Freund Gummiz wärmstens ans Herz gelegt. Ihm hat sie sogar so gut gefallen, dass er sie während seines einjährigen Aufenthaltes zweimal unternommen hat. Auf dem Wanderparkplatz trafen wir auf die beiden Deutschen, mit denen wir uns verabredet hatten und auf ein paar weitere Wanderer aus Israel, die wir später in der Hütte kennenlernten. Der Copland Track ist eine Art Geheimtip unter den Wanderungen Neuseelands und er kann es ohne weiteres mit den berühmten „Great Walks“ aufnehmen. Aber eigentlich ist es auch ganz gut, dass er nicht wie diese beworben wird, denn so mussten wir nicht ein Jahr im Vorraus unsere Betten buchen, was vielerorts leider ein Nachteil der Schönheit Neuseelands ist.

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Auf dem doch recht anstrengenden Weg das Flußtal hinauf verlor Laura unbemerkt mein Stativ, das am Rucksack gebaumelt hatte. Aber glücklicherweise trafen wir auf ein weiteres Pärchen aus Israel, das auf dem Rückweg war und fragten ob, wenn sie das Stativ denn finden sollten, sie es an unser Auto stellen könnten. Auf etwa der Hälfte des Weges machten wir an einer kleinen Wanderhütte eine Rast und trafen wiederum auf einen Skilehrer aus Neuseeland. In den Sommermonaten wandert oder „trampt“ er, wie die Neuseelander sagen, am liebsten allein oder mit Freunden durch das ganze Land. Ansonsten liebt er seinen Job als Skilehrer, weil er da den ganzen Tag Ski fahren darf. Nachts träumt er dann vom Ski fahren und wenn er davon aufwacht, möchte er am liebsten sofort Ski fahren. Ein verrückter Typ, der außerdem das Zelt eines Südafrikaners durch den Wald schleppte, weil der aufgrund seiner operierten Knie nur noch langsam vorankam. Auf den Jäger würden wir dann später wahrscheinlich noch treffen und ihn an einer toten Bergziege erkennen, die er auf seinem Buckel trägt. Und tatsächlich stießen wir nur wenig später auch auf diesen Herren und richteten ihm aus, dass sein Zelt auf dem Parkplatz auf ihn warten würde.

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Die genaue Beschreibung der Wanderung erspare ich mir an dieser Stelle. Jeder der mehr Informationen haben möchte, kann sie sich hier besorgen. Gesagt sei nur, das der Copland Track deswegen etwas so Besonderes ist, weil sich an der Wanderhütte natürliche heiße Quellen befinden. Hier haben wir mit den anderen Wanderern etwa 4 Stunden lang im heißen Matsch gelegen, Sterne geschaut, Wein getrunken und geredet. Besonders interessant war, dass sich unter den Wanderern an diesem Tag insgesamt 6 oder 7 Israelis befunden haben. Soweit ich das verstanden habe, wollten die nach ihrem Wehrdienst, der um einiges länger und intensiver ist als der deutsche, etwas von der Welt sehen.

Nach unserer Wanderung (mein Stativ wartete an unserem Auto auf mich) ging es weg von der Westküste Neuseelands Richtung Wanaka. Das kleine Örtchen ist besonders durch den meistfotografierten Baum des Landes bekannt. Dieser steht nicht weit vom Strand mitten im Wasser. Von der Niederländerin im Berlins hatten wir aber auch noch von einem Gletscher erfahren, an dem man anders als bei unseren beiden vorigen Versuchen ganz nah herankommt. Die Straße dorthin war etwas abenteuerlich, denn eigentlich durften wir mit unserem Bus keine Schotterpisten fahren bzw. wären im Falle einer Panne selbst verantwortlich für den Schaden gewesen. Auf dem Weg fuhren wir durch mehrere Bäche. Nach einer relativ kurzen, aber dafür unheimlich steilen Wanderung erreichten wir den Rob Roy Gletscher. Auf der gegenüber liegenden Seite haben die Steine eine Art natürliche Tribüne geformt, von der aus man das Schauspiel des Gletschers hervorragend beobachten kann. Etwa eine Stunde saßen wir dort und beobachteten wie Eismassen vom Gletscher ins Tal fallen. Ein sehr empfehlenswerter Abstecher. Von hier aus verließen wir das Gletscherland und hatten auch nur noch wenige Tage übrig. Leider hatten wir dadurch keine Zeit Neuseelands Fjordland zu besuchen. Wir trösteten uns wie immer damit, dass wir dies das nächste Mal machen werden. Und, dass wir die Fjorde ja bereits im norwegischen Gletscherland gesehen hatten.

von Christoph

(Neuseeland, im Nordwesten der Südinsel, 25. Oktober bis 2. November 2015)

3 Comments on “Gletscherland Teil 2

  1. ein paar Sachen kommen mir bekannt vor.. der Campingplatz bei den pancake rocks.. das rob roy valley… die Aussicht auf den fox glacier.. aber wie konnten wir am Copland track vorbei fahren???? es sieht traumhaft aus! und genauso Karamea??? ich muss da wohl nochmal hin. Liebste Grüße 🙂 es war wie immer eine wundervolle Entführung aus dem Alltag.

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